3. Flucht und Fluchtversuche

von Lena Pukropski

 Fluchtbewegung aus der DDR in die Bundesrepublik Deutschland:

  • 1945 bis 1948: 732 100
  • 1949 bis 12.8.1961: 2 686 942
  • 13.8.1961 bis 31.12.1988: 959 905
  • 1.1.1989 bis 30.6.1989: 190 190
  • GESAMT: 4 569 137

Fluchtbewegung ab 1961 durch die Sperranlagen, ohne Fluchten über das Umland:

fluchtlingsdiagramm

 Fluchtmethoden – Beispiele und Hilfsmittel:

  • Grenzhäuser: Bevor die Fenster und Türen dieser Häuser zugemauert wurden, gelang einigen die Flucht auf diesem Weg. Manche sprangen sogar von Dächern in den Westen, dabei verfehlten einige das Sprungtuch und kamen zu Tode.
  • Stacheldraht: Als es noch keine Betonwand gab, versuchten Flüchtlinge diesen zu zerschneiden, zu sprengen oder zu überklettern mit Hilfe von Brettern und Leitern.
  • Flucht zu Wasser: Einige flüchteten schwimmend über den Teltowkanal oder bemächtigten sich eines Ausflugsschiffes und setzten an das West-Berliner Ufer über.
  • Kanalisation und selbstgebaute Tunnel: Solange die Kanäle des Abwassers nicht vergittert waren, war diese Art der Flucht eine weitere Möglichkeit. Eine weitere Möglichkeit war das Graben von Tunneln. Bis heute weiß man, dass es circa 40 Grabungen gab. Einige davon führten von Ost-Berliner Friedhöfen nach West-Berlin oder von einem Hühnerstall in den Westen. Bei letzterem Tunnel handelt es sich um den sogenannten Seniorentunnel. Zwölf Senioren wollten “bequem und ungebeugt in die Freiheit”.
  • Fahrzeuge: Mancher Ost-Berliner durchbrach die Mauer mit selbstgepanzerten Fahrzeugen, Planierraupen, Lastkraftwagen oder Bussen.  Ein Grenzgänger erzählt: ” Wir haben einige Male die Grenze inspiziert und kamen zu der Überzeugung, dass wir auf diese Weise mit unseren Frauen nicht flüchten können. Dann kamen wir auf die Idee, mit einem Auto die Grenzsperren zu durchbrechen. Es wurde für 1850,- DM ein alter Opel P4 gekauft. Diesen Wagen haben wir gepanzert. Die zur Panzerung notwendigen Stahlplatten haben wir ‘organisiert’, d.h. heimlich im Betrieb mit der Brennmaschine ausgeschnitten. Der P4 war ein geschlossener Kastenwagen. Hinten haben wir die Hohlräume mit Beton ausgegossen – etwa 3 cm stark -. die Türen wurden ebenfalls mit Beton ausgegossen. Vor die Windschutzscheibe haben wir 8 mm starke Stahlplatten gehängt. In diese Stahlplatten haben wir etwa 180 Sehlöcher gebohrt. Beide Seitenfenster wurden ebenfalls mit 3-mm-Stahlplatten versehen. Zwischen die doppelte Panzerung wurde Schaumgummi gelegt und dann zusammengeschraubt. Sämtliche Platten waren zum Einhängen und zum Zuschieben, so dass von außen nichts zu sehen war. Den Motor haben wir ebenfalls mit Stahlplatten abgesichert, 3 mm stark. Darauf wurde in den Kasten des Wages ein ‘Hängeboden’ eingebaut, dort wurden Betten untergebracht. Diese Arbeit hat ungefähr drei Wochen in Anspruch genommen. Als Übergangsstelle haben wir uns die Chausseestraße ausgesucht. Wir sind am 14. November 1961 gegen 20 Uhr dort vorgefahren und ließen den Wagen, in dem drei Frauen saßen, dort stehen. Mein Freund und ich haben die Grenzposten beobachtet. Gegen 21 Uhr sind wir an die Slalomstrecke herangefahren und haben den rechten Winker ausgestreckt, als wollten wir in eine Seitenstraße einbiegen. Die Kontrollposten ließen sich dadurch erst einmal täuschen. Als wir in der Mitte der Slalomstrecke waren, wurde gepfiffen. Erst als wir die Strecke fast bis zum Ende passiert hatten, wurde aus Pistolen und einer Maschinenpistole geschossen. Der Wagen hatte 15 Einschüsse. Der linke vordere Reifen war kaputt. Es wurde niemand von uns verletzt; lediglich Mantel und Anzüge waren durchlöchert.”
  • die trojanische Kuh: Bei dieser Methode versteckt sich der Flüchtling in einem präparierten Bullen. Im Bauch des Tieres wird er über die Grenze gebracht. Zweimal gelang dieser Fluchtversuch. Beim dritten Mal flog die Tarnung auf.

 

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Quellen: www.chronik-der-mauer.de,  Freiheit kennt keine Mauer (Bundesministerium für Verteidigung, Schriftenreihe Innere Führung 2/62), Deutschland und die Welt nach 1945 ( Buchners Kolleg Themen Geschichte)

 

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