Die chinesische Mauer

Gliederung:

1. Einleitung
2. Geschichte
3. Baumaterialien – Bau der Mauer
4. Kampfterrassen
5. Bedeutungsverlust
6. Sichtbarkeit aus dem Weltall?
7. Aktuell

1. Einleitung:

Die “Große Mauer”, die “Wanli Chang Cheng” (“10.000 Li lange Mauer”), wie sie im Chinesischen genannt wird, gilt als das größte Bauwerk der Erde. Mehr als 2000 Jahre wurde an dieser militärischen Anlage gebaut. Die Gesamtlänge betrug – einschließlich aller Verzweigungen – rund 6350 km. Sie verläuft an Bergkämmen entlang, über Hügel und durch Täler in west-östlicher Richtung durch fünf Provinzen vom Jiayuguan-Pass in der Wüste Gobi bis zum Shanghaiguan-Pass an der Ostküste. 1987 wurde die Chinesische Mauer – die in ihrer heute noch vorhandenen Gestalt vor allem aus der Ming-Epoche (1368-1644) stammt – von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.
Die Mauer war nie eine Grenzbefestigung im eigentlichen Sinne, sondern eine militärische Verteidigungslinie. Sie diente bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts dazu, das chinesische Reich vor Angriffen von Nomadenvölkern aus dem Norden zu schützen. In der späteren Zeit verlor sie ihre strategische Bedeutung. Statt auf den Schutz durch eine Mauer setzten die chinesischen Kaiser fortan auf die militärische Abschreckung oder die Diplomatie, um das Reich vor Einfällen aus dem Norden zu schützen. Die Maueranlagen wurden nicht mehr erneuert und damit dem Verfall preisgegeben.

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2. Geschichte:

Die ersten Vorläufer der “Großen Mauer” entstanden vermutlich im 7. Jahrhundert v. Chr. Die damals existierenden sieben autonomen Königreiche errichteten jeweils eigene Wehrmauern und Mauersysteme in militärisch gefährdeten Regionen – etwa auf Gebirgspässen. Diese zum Teil nur sehr kurzen Anlagen dienten zunächst vor allem dazu, die Reiche gegeneinander abzugrenzen. Nachdem seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. Nomadenvölker von Norden her gegen die nördlichen chinesischen Reiche vorstießen, wurden die bestehenden Mauern auch zu Verteidigungslinien nach außen. Sie bestanden zu dieser Zeit noch nicht aus gemauerten Steinen, sondern es handelte sich dabei zumeist um einfache Wälle, die aus einem Gemisch aus Sand und Steinen aufgerichtet worden waren. Die Anfänge der heutigen Mauer gehen auf die Zeit der Herrschaft des legendären “Ersten Kaisers” Chinas, Qin Shihuang, zurück. Er gründete nach der Unterwerfung der anderen sechs Reiche im Jahr 221 v. Chr. erstmals ein großes chinesisches Zentralreich. Um sich gegen Überfälle der im Nordwesten Chinas lebenden Nomaden zu schützen, verband er in den folgenden Jahren einen Teil der vorhandenen Mauern zu einem zusammenhängenden Wall.

3. Baumaterialien:

Die sogenannten Erdmauern bestanden normalerweise aus gestampfter Lößerde oder aus Lehmziegeln. Bei dieser Mauerart wurde das so genannte Prinzip der Kletterschalung. In längliche Holzkästen ohne Boden wurde Erde, zum Teil auch vermischt mit Steinen und Kiesel, gefüllt und dann mit hölzernen Stampfern festgeklopft. Hatte man auf diese Art eine mehrere Zentimeter hohe Schicht hergestellt, wurden die Seitenbretter entfernt und etwas höher wieder aufgebaut, um die nächste Schicht herzustellen. Zwischen den Erdschichten wurden manchmal Lagen aus Bambus gelegt, um die Erde so schneller trocknen zu lassen und den Wall besser zu stabilisieren. Es gibt noch Reste solcher Erdmauern aus dem einstigen Königreich Wei und aus der Sui-Dynastie, ferner aus der Qin-Dynastie (im Kreis Guyuan im Autonomen Gebiet Ningxia) und aus der Ming-Zeit (in den Provinzen Shaanxi und Gansu). Die jahrhunderte lange Erosion hat jedoch nicht mehr viel davon übriggelassen. An manchen Stellen sieht man nur noch niedrige Erdwälle. Viele Bruchsteinmauern sind dagegen bis heute relativ gut erhalten. Da sie sich meistens in verkehrsungünstigen Gebirgsgegenden befinden, bekommt man sie nur selten zu sehen. Ein Beispiel ist der westliche Teil der nördlichen Guanglu-Mauer aus der Han-Dynastie, der teils durch Wüste und teils durch Bergland führt. Die erhaltenen Mauerreste haben noch eine Fundamentbreite und eine Höhe von jeweils etwa 3 Metern. Die Mauerabschnitte aus dem Königreich Zhao und aus der Qin-Dynastie im Yinsan-Gebirge wurden ebenfalls aus Stein gebaut. Auch von ihnen sind etwa 3 Meter hohe Reste erhalten. 120 Kilometer von Beijing entfernt, am Paß Huangyaguan im Kreis Jixian, gibt es noch ein Stück Steinmauer aus dem 6. Jahrhundert. Es ist eine recht schmale Mauer, die auf steilem Berghang angelegt wurde, und deshalb schwierig zu besteigen. Erst während der Ming-Dynastie verwendete man für den Mauerbau Ziegel. Die Jizhou-Mauer ist dafür ein typisches Beispiel. Der Mauerabschnitt Badaling bei Beijing besteht aus einem Fundament aus tonnenschweren Steinquadern und Wänden aus graublauen Ziegeln. Der Raum zwischen den Wänden wurde mit Erde, Kieselsteinen und Kalksteinen ausgefüllt, und obendrauf kamen vier bis fünf Schichten von Ziegelsteinen. Eine auf diese Weise gebaute Mauer war sehr massiv und hielt auch stärksten Angriffen stand. An manchen Stellen dienten auch aufragende Felsen als Teile der Mauerwände, wie bei den Mauerabschnitten Badling und Simatai in Beijing und Huangyaguan im Kreis Jixian bei Tianjin. In Wüstengebieten wurde, wie an anderer Stelle bereits erwähnt, die Mauer durch abwechselnde Schichten von Sand und Kies sowie Schilfrohr und Ruten errichtet. Reste einer solchen Mauer sind beim Paß Yumenguan in der Provinz Gansu zu sehen. Wo es sehr steile Felswände gab, wurde die Mauer auch schon mal herausgemeißelt, was man dann als “Meißelwand” (pishan qiang) bezeichnete. Und verschiedentlich – wie bei der Festung Jiayuguan – wurden auf schroffen Felshängen nach entsprechender Bearbeitung Holzgitterwände aufgepflanzt, wofür man die Bezeichnung Felsen-Gitter-Mauer prägte. Im waldreichen Nordostchina schließlich errichtete man Berrieren aus zusammengebundenen rohen Baumstämmen. Solche Teile der Großen Mauer haben dem Zahn der Zeit natürlich nicht standgehalten. Daß es sie gab, wissen wir aus historischen Schriften.

4. Kampfterrassen:

In geringen Abständen wurden an der Großen Mauer vorspringende Terrassen angelegt, die man auch “Pferdeköpfe” (mamian) nannte. Die Vorsprünge waren etwa ein bis mehrere Meter lang. Die Außenseiten waren mit Zinnenwänden versehen, die zudem kleine Öffnungen zur Beobachtung der Feinde und Schießscharten hatten. Solche Kampfterrassen lassen sich bis in die Han-Zeit zurückverfolgen. Manche Kampfterrassen aus der Jin-Zeit hatten sogar Vorsprünge von fast 20 Metern. Für die Verteidigung spielten die Kampfterrassen eine wichtige Rolle. Wenn sich Feinde der Mauer näherten, konnten sie gleich von drei Seiten aus angegriffen werden. Je nach miltärischer Notwendigkeit wurden die Kampfterrassen in unterschiedlichen Abständen angelegt. Die zahlreichen Wachtürme, die einst auf der Großen Mauer emporragten, sahen von ferne wie Burgen aus. Manche war einstöckig, andere zweistöckig. Sie wurden in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts von Ming-General Qi Jiguang eingeführt. Im Jahr 1567 wurde von Ming-General Qi nach Nordchina versetzt. Er war zuständig für die Verteidigung der Festungsstadt Jizhou. Als er sah, wie die Wachsoldaten Wind, Regen und glühender Sonne ausgesetzt waren und dass es für Getreide und Munition keine vernünftigen Lagerstätten gab, hatte er die Idee, solche Türme bauen zu lassen. Sie wurden aus graublauen Ziegelsteinen gemauert, waren meist viereckig und 5 bis 10 Meter hoch. Oben hatten sie Zinnenwände mit Schießscharten und in der Mitte ein kleines Haus. Die Dachhäuser sind mit wenigen Ausnahmen verschwunden. Bei der Mutianyu-Mauer hat man einige originalgetreu wieder aufgebaut. Während seiner Amtszeit ließ Qi Jiguang entlang des Mauerabschnitts zwischen dem Paß Shanhaiguan und Mutianyu mehr als 1000 Wachtürme anlegen.

5. Bedeutungsverlust:

Mit dem Ende der Ming-Dynastie 1644 und der Machtübernahme durch die Mandschuren, die die letzte chinesische Kaiserdynastie der Qing (1644-1911) begründeten, verlor die Mauer ihre militärische Bedeutung. Die Mandschuren lebten bereits während der Ming-Zeit in einem Gebiet nordöstlich der Chinesischen Mauer. Seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts drangen sie immer weiter nach Süden vor. Die Expansion war durch die innere Schwäche des Ming-Reiches begünstigt worden. Aufstände und Intrigen am Kaiserhof gefährdeten den Zusammenhalt des Reiches. 1644 gelang den Mandschuren die Eroberung Pekings. Mit Hilfe des Ming-Generals Wu Sangui war es den mandschurischen Truppen gelungen, die Mauer an ihrem östlichen Ende bei Shanhaiguan zu überwinden. Da die neue Qing-Dynastie jetzt über Gebiete beiderseits des früheren Grenzgebietes herrschte, verlor die Mauer als Verteidigungslinie ihre Berechtigung.

6. Sichtbar aus dem All?

Schon seit einiger Zeit wurde angenomen, dass die chinesische Mauer das einzige Bauwerk sei, dass man aus dem Weltall sehen könnte. Jedoch müsste, wenn dies möglich sei, auch eine große bzw. breite Straße aus dem Weltall mit bloßem Auge sichtbar sein. Bei sehr guten Sichtverhältnissen wäre es allerdings möglich den Schatten der Mauer zu sehen, jedoch nur wenn im Winter die Sonne tief steht und die Mauer ein breites Schattenband erzeugt.

7. Aktuell (Neuvermessung):

Bisher wurde die Gesamtlänge der chinesischen Mauer auf 6350 km geschätzt. Nach neusten Untersuchungen jedoch teilten chinesische Forscher mit, dass allein die Teile der Ming-Dynastie (1368 bis 1644) schon 8851 Kilometer messen. Für die Untersuchungen wurden globale Navigationssysteme, Infrarot-Messgeräte und andere neue Technologie eingesetzt. Dadurch wurde ermittelt, dass dieser Teil aus 6260 Kilometern Mauer, 359 Kilometern Gräben und 2232 Kilometern anderen “natürlichen Verteidigungsbarrieren” wie Hügeln und Flüssen bestehe. Die Erfassung der kompletten Mauer soll bis Ende nächsten Jahres dauern. Die Wissenschaftler gehen von einer Gesamtlänge von über 10.000 Kilometern aus.

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Quellen:

– http://de.wikipedia.org/wiki/Chinesische_Mauer

– http://www.rastlos.com/china2002/karte-chinesische-mauer.php

– http://www.chinaseite.de/china-kultur/china-geschichte/chinesische-mauer.html

– http://www.helles-koepfchen.de/die_vergessenen_weltwunder/die_chinesische_mauer.html

– http://nachrichten.t-online.de/c/18/51/56/00/18515600.html

– http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,620048,00.html

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