Geschichtliche Hintergründe

Bis 1720 besaß Tibet keine festgelegten Grenzen. Dann wurde das Gebiet Tibet zum chinesischen Protektorat, wobei es eine völlige innere Autonomie besaß. Für China hatte dies den Vorteil, dass seine Grenzen bis zum Himalaja reichten und sich somit das Einflussgebiet vergrößerte. Tibet wurde Schutz vor umliegenden Mächten gewährt, da diese bei einem Kampf gegen Tibet mit dem Eingreifen der chinesischen Armee rechnen mussten.

Aus diesem Grund argumentiert die chinesische Regierung damit, dass Tibet schon seit mehreren Jahrhunderten ein Teil Chinas sei.

1907 einigten sich Russland und England darauf, dass China die Oberherrschaft über Tibet erhalten sollte. Aus diesem Grund schickte China ihre Armee 1910 nach Tibet um seinen Machtanspruch geltend zu machen. Der Dalai Lama floh ins Exil nach Indien.

Da 1911 die Revolution in China stattfand, verkleinerte sich die Macht Chinas über Tibet stark, da die meisten Garnisonen bis auf eine kleine in der Hauptstadt Lhasa abgezogen wurden. Dies ermöglichte es dem Dalai Lama auch 1912 zurück nach Lhasa zu kehren und am 14.2.1913 die Unabhängigkeit Tibets auszurufen. China gab seinen Machtanspruch auf Tibet während dieser Zeit nicht auf, da es allerdings selbst zerspalten von Bürgerkriegen und durch den Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg abgelenkt war, wurde nicht viel unternommen, diesen Machtanspruch geltend zu machen.

1945 brach in China ein schwerer Bürgerkrieg aus, weshalb die chinesischen Beamten aus Tibet geschickt und die eigenen Armeen aufgerüstet wurden.

Nachdem die Kommunistische Partei in China mit Mao Zedong die Macht in China übernommen hatte, erhob diese erneut Anspruch auf Tibet. Offiziell wollte China Tibet von dem “britisch imperialistischen Joch” befreien. Chinas Volksbefreiungsarmee konnte die schlecht ausgerüstete Armee Tibets zurückschlagen, sodass diese bald kapitulieren musste.
Der damals 15-jährige 14. Dalai Lama übernahm die Regierung Tibets. Auf die Hilfe von Seiten der Vereinten Nationen wartete Tibet vergeblich, da Großbritannien und Indien aufgrund des ungeklärten Rechtsstatus Tibets diese verwehrten.

Am 23.5.1951 unterzeichneten einige Repräsentanten der tibetischen Regierung das 17-Punkte Abkommen. Allerdings besaßen diese nicht die Vollmacht, sodass das Abkommen von tibetischer Seite als nicht rechtskräftig angesehen wurde. Im 17-Punkte Abkommen wurde festgelegt, dass Tibet in das chinesische Regierungsgebiet eingegliedert wird, es wurde ihnen jedoch zugesichert, eine regionale Autonomie, welche nur einen relativ kleinen Teil des ehemaligen Tibets umfasste, mit dem existierenden politischen System zu verwalten. Außerdem garantierte dieses Abkommen den Tibetern Religionsfreiheit. Die Regierung Tibets stimmte im Oktober dem 17-Punkte Abkommen zu. Daraufhin wurde die Volksbefreiungsarmee nach Lhasa geschickt, wonach es beinahe so viele chinesische Soldaten wie Tibeter in diesem Gebiet gab.

In den anderen ehemals tibetischen Gebieten, die der chinesischen Regierung unterstanden, versuchte die Kommunistische Partei, die Landreform und die Sesshaftwerdung der tibetischen Nomaden durchzusetzen, was von der Bevölkerung sehr negativ aufgenommen wurde und am 10.3.1955 zu einem Aufstand führte, der jedoch brutal von der chinesischen Armee niedergeschlagen wurde. Danach organisierten sich verschiedene Stammesgruppen und schlossen sich zum so genannten Khampa-Widerstand zusammen.

Bis 1959 bestand das Regierungssystem unter dem Dalai Lama, bis auf die Außen- und Verteidigungspolitik. Allerdings wurden in Tibet Organe der chinesischen Staatsgewalt eingerichtet, wodurch die faktische Autonomie eingeschränkt wurde. Es wurden daraufhin zwei Autobahnen, die Zentraltibet mit China verbanden, gebaut, um Rohstoffe aus Tibet nach China zu transportieren.

Am 10.3.1959 brach in Lhasa der Tibetaufstand aus. Als Antwort darauf beschossen die chinesischen Truppen die Norbulinka, die Sommerresidenz des Dalai Lamas am 17.3, in der sich dieser aufhielt. Daraufhin floh der 14. Dalai Lama nach Indien.  Bis zum 21.3 brachen in der Stadt Kämpfe der Tibeter gegen die Chinesischen Truppen aus, jedoch wurde der Aufstand von den chinesischen Truppen gewaltvoll beendet. Nach tibetischen Angaben gab es 87 000 Todesopfer während und in den Monaten nach dieser Protestaktion.

1971 wurden die ersten Kernwaffen nach Tibet gebracht. Heute unterhält China 17 geheime Radarstationen, 14 militärische Luftwaffenstützpunkte, 8 Raketenabschussbasen, 8 Abschussbasen für Interkontinentalraketen, 70 Raketen mit mittlerer Reichweite und 20 Mittelstreckenraketen in Tibet.

In den folgenden Jahren bis 1976 wurden mehrere tausend Klöster und fast alle anderen Bildungs- und Kulturstätten Tibets von den chinesischen Truppen zerstört.

Seit 1982 siedelte die chinesische Regierung besonders chinesische technische, geschäftliche und unternehmerische Fachkräfte nach Tibet um, die den Markt für chinesische Fertigwaren öffnen sollten. In den folgenden Jahren verloren daher viele Tibeter ihre Arbeitsplätze. Vor allem jene, die eine bessere Qualifizierung forderten, wurden von Chinesen besetzt, wodurch bis heute ein starkes Ungleichgewicht der Einkommen herrscht.

1984 startete die chinesische Regierung ein Projekt, das tibetische Unternehmen fördern sollte. Allerdings kamen die Gelder fast ausschließlich chinesischen Unternehmen in Tibet zugute, weshalb die tibetische Bevölkerung immer mehr an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurde.

1999 stellte die Weltbank China Gelder zur Verfügung um über 60.000 Chinesen nach Tibet umzusiedeln, angeblich um die dortige Armut zu verringern.

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