Hadrianswall und Antoniuswall

von Helge Wieck

Hadrianswall

Der Hadrianswall ist ein römisches Grenzbefestigungssystem in Nord-England. Der Wall erstreckt sich zwischen Newcastle und Solway Firth auf einer Länge von ca. 113 Kilometern. Erbaut wurde er im Jahr 122 n. Chr. auf Befehl des römischen Kaisers Hadrian (*76, †138). Hadrians Grenzsicherungskonzept war, die Grenzen an klar erkennbaren natürlichen Hindernissen, wie z.B. Flüssen oder Gebirgszügen endgültig zu etablieren und die Lücken dazwischen mit künstlichen Befestigungen auf Dauer zu festigen. War die Grenze gesichert konnte die Romanisierung voranschreiten und sich die Wirtschaft ungestört entwickeln. Auch sollte der Wall dazu dienen den schottischen Stämmen klar erkennbar zu machen, wo die Grenze zum römischen Reich ist.

Antoniuswall

Nach dem Tod Hadrians ließ sein Nachfolger Antonius Pius einen weiteren Wall 160 km weiter nördlich des Hadrianwalls zwischen Firth of Forth und Clyde bauen, den Antoniuswall. Der Bau dauerte von 142 bis 144 n. Chr. Der Antoniuswall sollte die Unterwerfung der Stämme im Norden Englands ermöglichen, die Unterwerfung misslang jedoch und der Großteil der Truppen wurde wieder zum Hadrianswall zurückgezogen. Im Jahr 164 n. Chr. wurde der Hadrianswall wieder in Vollbetrieb genommen.hadrianswall_karte1

Verteidigung

Die Höhe der Wälle wird auf 4 bis 5 Meter geschätzt. Entlang der Wälle wurden Wachtürme, Meilenkastelle, und Auxilarlager gebaut. Die Wachtürme dienten zur Überwachung des Geländes um den Wall herum und zur Warnung vor Feinden mit Signalfeuern. Es standen jeweils auf einer drittel Meile zwei Wachtürme. In den Wachtürmen waren Unterkünfte für ca. 8 Mann auf einer Fläche von 8 m². Die Meilenkastelle waren grob gesagt befestige Tore jeweils im Abstand von einer römischen Meile. Die Kastelle umfassten eine Fläche von 18 m² auf der bis zu 16 Mann ihre Baracken hatten. Die Auxiliarlager waren große Lager für die Hilfstruppen der Armee (lat. auxilia) , welche zur Verteidigung des Walls gegen anrückende Feinde dort stationiert waren.

Das Ende des Walls

Was genau das Ende des Hadrianwalls herbeiführte, kann mangels fehlender Quellen nicht vollständig wiedergegeben werden, fest steht jedoch, dass durch den Gallienfeldzug 383 n. Chr. des Comes Britanniarum Magnus Maximus große Teile des Hadrianwalls aufgegeben wurden. Da der Großteil der Soldaten abgezogen wurde, dienten die Kastelle meist als Wohnanlagen für die Nachkommen der ehemaligen Soldaten.

Auch wenn eine sichtbare Grenze langsam verschwand blieb sie dennoch in den Köpfen der Menschen, denn eine komplette Durchmischung der Kulturen gab es nie. Ein Grund dafür ist die Abgrenzung durch den Hadrianswall, ein weiterer Grund ist die Unterdrückung Schottlands durch England nach 1746. Die heutige Grenze zwischen Schottland und England verläuft nur ein wenig nördlicher des Hadrianwalls. Die englische Sprache, die vom lateinischen abstammt, beeinflusste jedoch die schottische, die wiederum aus der gälischen Sprache entstanden ist. So spricht man in den Lowlands, dem Südlichen Teil Schottlands, einen schottisch-englischen Dialekt, das Lowland Scots. Das englische know ist im Scots ken. Zwar existiert sowohl ken im Standartenglischen, als auch knaw(know) im Scots, doch wird know häufiger von Engländern verwendet und umgekehrt. Die Abneigung gegenüber Englands aber auch der zunehmende Tourismus führt dazu, dass viele Schotten das ursprüngliche schottisch sprechen.

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