Heinrich Harrer – 7 Jahre in Tibet

Der Österreicher Heinrich Harrer nahm 1939 an einer von den Nationalsozialisten organisierten Expedition zum Himalaya teil. Seit Oktober 1933 gehörte er der SA an, 1938 trat er der NSDAP und der SS bei.

Aufgrund des Ausbruches des 2. Weltkrieges wurde er in Indien gefangen genommen. Er schaffte es, zu entkommen, gemeinsam mit dem Diplomingenieur Aufschnaiter. Sie flüchteten zu Fuß 21 Monate, 2.000 Kilometer nach Lhasa, da dies zu diesem Zeitpunkt noch unabhängig von China war. Dort berieten sie den 14. Dalai Lama. Als die chinesische Regierung 1950 den Machtanspruch auf Tibet geltend machen wollte, floh Harrer und kehrte später nach Europa zurück.

Über seine Erlebnisse schrieb Heinrich Harrer sein Buch „7 Jahre in Tibet“.
Dieses wurde auch verfilmt mit dem Regisseur Jean-Jaques Annaud und den Darstellern Brad Pitt, David Thewlis und Jamyang Jamtsho Wangchuk, welche daraufhin ein lebenslanges Einreiseverbot nach China erhielten. Allerdings weicht die im Film erzählte Geschichte in mehreren Punkten vom Buch ab.

Die aktuelle Lage

Für die meisten Tibeter haben sich die Lebensbedingungen seit 1950 deutlich verschlechtert. Auf dem Land haben die Menschen immer noch keinen Zugang zu Strom, medizinischer Versorgung oder Schulbildung. Durch die starke Umweltverschmutzung ist auch der Zugang zu sauberem Trinkwasser nicht mehr gewährleistet.
Die Internationale Juristenkommission geht davon aus, dass ca. 70% der Tibeter in Tibet unterhalb der Armutsgrenze leben.

Das „Projekt zur Linderung der Armut in Westchina” der UNO, welches dafür sorgen sollte, den Tibetern mehr Nahrung zu gewährleisten, führte dazu, dass die Weizenproduktion gesteigert wurde und somit günstiger nach China exportiert werden konnte.

Seit dem es die neue Bahnlinie (2007 fertig gestellt) von China nach Tibet gibt, ist die Arbeitslosigkeit rapide angestiegen aufgrund des Ansturms der chinesischen Arbeiter.
Von 2001 bis 2005 wurde die Lhasa-Bahn gebaut, eine 1125 km lange Eisenbahnstrecke von Zentralchina bis zur tibetischen Hauptstadt Lhasa. Öl, Kohle, Güter aus dem Bergbau Tibets und andere Waren können nun zu einem Bruchteil der bisherigen Kosten über eine Bahnstrecke befördert werden.

Zur Erreichung der im “China’s Western Development Program” (Entwicklungsprogramms für den Westen Chinas) formulierten Ziele hat Peking in den letzten Jahren beträchtliche Summen in die von Minderheiten bewohnten Gebiete gepumpt, um die in diesen Regionen vorhandenen Ressourcen zu nutzen und sie dabei politisch enger an China zu binden
Zu den geplanten Projekten, wie z.B. einer Eisenbahnlinie von Gormo nach Lhasa im Wert von 3,2 Milliarden US$, einem West-Ost-Stromtransfer, einem West-Ost-Gastransfer oder der Süd-Nord-Wasserumleitung wurden keinerlei fundierte Umweltgutachten oder -studien veröffentlicht. Diese Infrastrukturprojekte, die dazu dienen, Chinas eigenen Bedarf nach Weiterentwicklung zu befriedigen, lassen ernsthafte Bedenken aufkommen, inwieweit Chinas Engagement echt und es eigentlich bereit ist, für die Verbesserung und den Schutz der Umwelt zu sorgen und eine nachhaltige Entwicklungspolitik in Tibet zu betreiben.
Bei dem geplanten „Süd-Nord-Wasserumleitungsvorhaben” soll Wasser aus den von Minderheiten bewohnten südwestlichen Regionen, die verhältnismäßig reich an Wasservorräten sind, in den ausgedörrten Norden, wo Desertifikation und Dürre immer mehr fortschreiten, umgeleitet werden.
Einige der führenden Politiker haben des weiteren Zweifel an der Durchführbarkeit des gigantischen Projekts zum Ausdruck gebracht, da dies verheerende Folgen für die Umwelt und Bevölkerung Süd-Tibets nach sich ziehen würde.

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Holz wird auf der nur teilweise ausgebauten 1100 Kilometer langen Autobahn, dem so genannten “Friendship-Highway” aus Tibet (Lhasa) nach China (Xigaze) transportiert. Daran schließt sich eine 100 Kilometer lange Baustelle an. In drei Jahren soll der Ausbau der Straße fertig gestellt sein.
Zwar wurde der Holzeinschlag in Tibet wurde von 210.000 m³ im Jahr in den 80er Jahren auf 50.000 bis 60.000 m³ in den Jahren 2002 und 2003 reduziert, dennoch richtet das Abholzen der Wälder in Tibet Umweltschäden an. Ca. 46% des Waldbestandes sind bereits abgeholzt.

Autonomes Gebiet?

In Tibet (wie in China) werden die Menschenrechte von der Chinesischen Regierung nicht geachtet, die tibetische Exilregierung kann darauf keinen Einfluss nehmen. Die meist friedlichen Proteste der Tibeter werden, wie z.B. am 10.3.2008 von der chinesischen Armee brutal niedergeschlagen, wobei es an diesem Tag nach tibetischen Angaben 200 Tote gab. Amnesty international schätzt die Zahl der Todesopfer sogar noch auf ein Vielfaches davon. Chinesischen Angaben zufolge starben 21.

Über 1000 Demonstranten wurden festgenommen und viele sind bis heute noch im Gefängnis, in dem sie gefoltert werden, kaum Nahrung bekommen und keine medizinischen Behandlungen erhalten, wie Freigelassene berichten.

In Tibet werden alle Medien wie Zeitungen, Radio und Fernsehen von der chinesischen Regierung überwacht und zensiert, es existiert keine Meinungsfreiheit. Der Dalai Lama wird in der Presse als ein Verräter dargestellt, der das Land spalten will. Journalisten ist es nicht gestattet, nach Tibet zu kommen und erst seit Ende März diesen Jahres dürfen Touristen wieder einreisen.

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Dieses Bild zeigt die chinesischen Sicherheitskräfte in Lhasa. Laut China soll es eine Polizei zum Schutz der Bürger sein, für die Tibeter wirkt es eher wie eine Armee. (Leider gibt es keine Bilder mit besserer Qualität, da es eigentlich verboten ist, chinesische Polizei zu fotografieren)
Allein das Militär- und Sicherheitspersonal in Tibet wird auf 600.000 geschätzt.

Erst 2002 wurde die tibetische Sprache als offizielle Sprache neben der chinesischen auch in Gerichten akzeptiert. Seit dem wird tibetisch auch an den Schulen als Pflichtfach gelehrt. Allerdings wird auf öffentlichen Treffen häufig noch chinesisch gesprochen, weshalb die meisten gebildeten Tibeter beide Sprachen beherrschen.

Geschichtliche Hintergründe

Bis 1720 besaß Tibet keine festgelegten Grenzen. Dann wurde das Gebiet Tibet zum chinesischen Protektorat, wobei es eine völlige innere Autonomie besaß. Für China hatte dies den Vorteil, dass seine Grenzen bis zum Himalaja reichten und sich somit das Einflussgebiet vergrößerte. Tibet wurde Schutz vor umliegenden Mächten gewährt, da diese bei einem Kampf gegen Tibet mit dem Eingreifen der chinesischen Armee rechnen mussten.

Aus diesem Grund argumentiert die chinesische Regierung damit, dass Tibet schon seit mehreren Jahrhunderten ein Teil Chinas sei.

1907 einigten sich Russland und England darauf, dass China die Oberherrschaft über Tibet erhalten sollte. Aus diesem Grund schickte China ihre Armee 1910 nach Tibet um seinen Machtanspruch geltend zu machen. Der Dalai Lama floh ins Exil nach Indien.

Da 1911 die Revolution in China stattfand, verkleinerte sich die Macht Chinas über Tibet stark, da die meisten Garnisonen bis auf eine kleine in der Hauptstadt Lhasa abgezogen wurden. Dies ermöglichte es dem Dalai Lama auch 1912 zurück nach Lhasa zu kehren und am 14.2.1913 die Unabhängigkeit Tibets auszurufen. China gab seinen Machtanspruch auf Tibet während dieser Zeit nicht auf, da es allerdings selbst zerspalten von Bürgerkriegen und durch den Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg abgelenkt war, wurde nicht viel unternommen, diesen Machtanspruch geltend zu machen.

1945 brach in China ein schwerer Bürgerkrieg aus, weshalb die chinesischen Beamten aus Tibet geschickt und die eigenen Armeen aufgerüstet wurden.

Nachdem die Kommunistische Partei in China mit Mao Zedong die Macht in China übernommen hatte, erhob diese erneut Anspruch auf Tibet. Offiziell wollte China Tibet von dem “britisch imperialistischen Joch” befreien. Chinas Volksbefreiungsarmee konnte die schlecht ausgerüstete Armee Tibets zurückschlagen, sodass diese bald kapitulieren musste.
Der damals 15-jährige 14. Dalai Lama übernahm die Regierung Tibets. Auf die Hilfe von Seiten der Vereinten Nationen wartete Tibet vergeblich, da Großbritannien und Indien aufgrund des ungeklärten Rechtsstatus Tibets diese verwehrten.

Am 23.5.1951 unterzeichneten einige Repräsentanten der tibetischen Regierung das 17-Punkte Abkommen. Allerdings besaßen diese nicht die Vollmacht, sodass das Abkommen von tibetischer Seite als nicht rechtskräftig angesehen wurde. Im 17-Punkte Abkommen wurde festgelegt, dass Tibet in das chinesische Regierungsgebiet eingegliedert wird, es wurde ihnen jedoch zugesichert, eine regionale Autonomie, welche nur einen relativ kleinen Teil des ehemaligen Tibets umfasste, mit dem existierenden politischen System zu verwalten. Außerdem garantierte dieses Abkommen den Tibetern Religionsfreiheit. Die Regierung Tibets stimmte im Oktober dem 17-Punkte Abkommen zu. Daraufhin wurde die Volksbefreiungsarmee nach Lhasa geschickt, wonach es beinahe so viele chinesische Soldaten wie Tibeter in diesem Gebiet gab.

In den anderen ehemals tibetischen Gebieten, die der chinesischen Regierung unterstanden, versuchte die Kommunistische Partei, die Landreform und die Sesshaftwerdung der tibetischen Nomaden durchzusetzen, was von der Bevölkerung sehr negativ aufgenommen wurde und am 10.3.1955 zu einem Aufstand führte, der jedoch brutal von der chinesischen Armee niedergeschlagen wurde. Danach organisierten sich verschiedene Stammesgruppen und schlossen sich zum so genannten Khampa-Widerstand zusammen.

Bis 1959 bestand das Regierungssystem unter dem Dalai Lama, bis auf die Außen- und Verteidigungspolitik. Allerdings wurden in Tibet Organe der chinesischen Staatsgewalt eingerichtet, wodurch die faktische Autonomie eingeschränkt wurde. Es wurden daraufhin zwei Autobahnen, die Zentraltibet mit China verbanden, gebaut, um Rohstoffe aus Tibet nach China zu transportieren.

Am 10.3.1959 brach in Lhasa der Tibetaufstand aus. Als Antwort darauf beschossen die chinesischen Truppen die Norbulinka, die Sommerresidenz des Dalai Lamas am 17.3, in der sich dieser aufhielt. Daraufhin floh der 14. Dalai Lama nach Indien.  Bis zum 21.3 brachen in der Stadt Kämpfe der Tibeter gegen die Chinesischen Truppen aus, jedoch wurde der Aufstand von den chinesischen Truppen gewaltvoll beendet. Nach tibetischen Angaben gab es 87 000 Todesopfer während und in den Monaten nach dieser Protestaktion.

1971 wurden die ersten Kernwaffen nach Tibet gebracht. Heute unterhält China 17 geheime Radarstationen, 14 militärische Luftwaffenstützpunkte, 8 Raketenabschussbasen, 8 Abschussbasen für Interkontinentalraketen, 70 Raketen mit mittlerer Reichweite und 20 Mittelstreckenraketen in Tibet.

In den folgenden Jahren bis 1976 wurden mehrere tausend Klöster und fast alle anderen Bildungs- und Kulturstätten Tibets von den chinesischen Truppen zerstört.

Seit 1982 siedelte die chinesische Regierung besonders chinesische technische, geschäftliche und unternehmerische Fachkräfte nach Tibet um, die den Markt für chinesische Fertigwaren öffnen sollten. In den folgenden Jahren verloren daher viele Tibeter ihre Arbeitsplätze. Vor allem jene, die eine bessere Qualifizierung forderten, wurden von Chinesen besetzt, wodurch bis heute ein starkes Ungleichgewicht der Einkommen herrscht.

1984 startete die chinesische Regierung ein Projekt, das tibetische Unternehmen fördern sollte. Allerdings kamen die Gelder fast ausschließlich chinesischen Unternehmen in Tibet zugute, weshalb die tibetische Bevölkerung immer mehr an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurde.

1999 stellte die Weltbank China Gelder zur Verfügung um über 60.000 Chinesen nach Tibet umzusiedeln, angeblich um die dortige Armut zu verringern.

Tibets Grenzen – Swantje

Tibets Grenzen

 

Allgemein

 

Bevölkerung: 2.630.000 (2,2 Einwohner/km²) davon 81& auf dem Land, 19% in den Städten

Fläche: 1.228.400 km² (entspricht 12,8% der Fläche Chinas)

derzeitiger Gouverneur: Qamba Puncog

Analphabetenrate: 32%

Lebenserwartung: 67 Jahre

Verfügbares Einkommen: Stadt: US$ 1051, Land: US$ 259

Grenzen Deutschlands Entwicklung

Von Andreas Paasch:

Grenzen Deutschlands.

Deutschlands Probleme in der Grenzfindung bedingt durch seine Lage mitten in Europa.  Deutschlands Grenze:   Ein ” oszillierender Rand. “

Entwicklung.

Inhaltsverzeichinis :

  • 1. Der Deutsche Bund 1815-1866
  • 2. Das Deutsche Reich 1871-1918
  • 3. Die Weimarer Republik 1919-1937
  • 4. Das Grossdeutsche Reich 1943
  • 5. Deutschlands Besatzungszonen 1945-1949
  • 6. Deutschland Heute : Topografische Kart
Der Deutsche Bund 1815-1866

Der Deutsche Bund 1815-1866

1. Der Deutsche Bund 1815-1866

Auf dem Wiener Kongress kam es unter der Leitung Metternichs zur Neuordnung Europas. Ziel des Wiener Kongresses war die dauerhafte Sicherung des Friedens durch Schaffung eines neuen Gleichgewichts zwischen den Großmächten, aber auch die Wiederherstellung (Restauration) des alten politischen Systems. In der Heiligen Allianz vereinbarten Österreich, Preußen und Russland, alle revolutionären und nationalstaatlichen Bewegungen zu bekämpfen.
Wirtschaftlich wurde Deutschland durch den am 1. Januar 1834 gegründeten Deutschen Zollverein geeint. Die einsetzende Industrialisierung und der Bau der ersten Eisenbahnlinien brachten einen wirtschaftlichen Aufschwung mit sich.
Die Februarrevolution 1848 in Frankreich führte in den deutschen Staaten zur Märzrevolution. In Österreich kam es zu Straßenkämpfen. Am 13. März trat Metternich zurück und floh nach Großbritannien.
Die Nationalversammlung musste nun die Grenzen eines zukünftigen deutschen Nationalstaates festlegen. Favorisiert wurde zuerst die so genannte großdeutsche Lösung. Da Österreich aber nur unter Einschluss seines gesamten Gebietes dazu bereit war, entschied man sich für die kleindeutsche Lösung. Diese sah die Bildung eines deutschen Staates unter Ausschluss Österreichs vor.

Das Deutsche Reich 1871-1918

Das Deutsche Reich 1871-1918

2. Das Deutsche Reich 1871-1918

Die Reichsverfassung von 1871 betonte das monarchische Element. Damit war aber die Zukunft Deutschlands entscheidend vom Geschick seiner Kaiser abhängig. Preußen verfügte über zwei Drittel der Landfläche und Bevölkerung und damit über ein Vetorecht bei Verfassungsänderungen im Bundesrat.
Um die Ängste der übrigen Großmächte zu dämpfen, verzichtete Bismarck nach der Krieg-in-Sicht-Krise 1875 auf territoriale Erweiterungen, stellte als Konzession an den Zeitgeist jedoch 1884 die kolonialen Erwerbungen deutscher Kaufleute unter den Schutz des Reiches. Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Kolonien blieb jedoch gering.

Die Weinmarer Republik 1919-1937

Die Weinmarer Republik 1919-1937

3. Die Weimarer Republik 1919-1937

Am 16. Dezember 1918 fand in Berlin der sogenannte Reichsrätekongress statt.
Am 28. Juni 1919 musste Deutschland im Versailler Vertrag zahlreiche Gebiete abtreten sowie seine Kolonien dem Völkerbund unterstellen.
Die Vereinigung Deutschlands mit Österreich wurde untersagt. Schleswig wurde nach zwei Volksabstimmungen zwischen Dänemark und Deutschland geteilt. Nordschleswig kam wieder zu Dänemark, Südschleswig blieb bei Deutschland. Nach einer Volksabstimmung vom 11. Juli blieben die Bezirke Allenstein und Marienwerder bei Preußen.
Oberschlesien wurde nach einer zum Teil von gewaltsamen Auseinandersetzungen geprägten Volksabstimmung zwischen Deutschland und Polen geteilt.

Im Januar 1923 besetzten französische Truppen das Ruhrgebiet, um ausstehende Reparationsforderungen einzutreiben. Die Reichsregierung unterstützte den ausbrechenden Ruhrkampf.

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4. Das Grossdeutsche Reich 1943

Im „Blitzkrieg“ folgten schnelle deutsche Besetzungen von Dänemark, Norwegen, den Beneluxstaaten und Frankreich 1940.
Die geplante Invasion Großbritanniens (Unternehmen Seelöwe) misslang jedoch, weil die deutsche Luftwaffe in der Luftschlacht um England trotz intensiver Bombardierung strategischer Ziele (Flugplätze, Radarstationen, Luftrüstungsindustrie) nicht die völlige Lufthoheit über Großbritannien erringen konnte und das Erringen dieser als die wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Invasion der britischen Inseln angesehen wurde.

1940/41 eroberte die Wehrmacht mit den Streitkräften Italiens, Ungarns und Bulgariens gemeinsam Jugoslawien und Griechenland. Beide Länder wurden unter den verbündeten Diktaturen aufgeteilt. Ihrer Eroberung folgte ab 1943 jedoch ein zermürbender Partisanenkrieg.
Am 22. Juni überfiel Deutschland die Sowjetunion. In dem als Blitzkrieg geplanten „Unternehmen Barbarossa“ drangen Wehrmacht und Waffen-SS bis vor Moskau und Leningrad vor. Im Winter 1941/42 kam sie jedoch vor Moskau ins Stocken.
Im Verlauf einer neuen Offensive im Osten im Sommer 1942 drangen Wehrmacht und Waffen-SS bis an den Don und in den Kaukasus vor. Die Schlacht um Stalingrad im Winter 1942/1943 war einer der Wendepunkte des Krieges. Bis Ende 1943 hatte die Sowjetunion weite Gebiete zurückerobert. Am 13. Mai 1943 mussten die Achsenmächte (Deutschland und Italien) in Nordafrika kapitulieren.

Besatzungszonen 1945-1949

Besatzungszonen 1945-1949

5. Deutschlands Besatzungszonen 1945-1949

Ende 1944 und Anfang 1945 beschlossen die Alliierten die Aufteilung Deutschland nach dem Krieg. Nach Beginn ihrer Winteroffensive am 12. Januar 1945 eroberte die Rote Armee Ostpreußen, Pommern und Schlesien und holte vielfach die fliehende Zivilbevölkerung ein. In den letzten Kriegsmonaten und im Anschluss an die Besetzung wurden die meisten noch verbliebenen Deutschen v. a. im Rahmen der Westexpansion Polens aus Ost- und Ostmitteleuropa vertrieben, insgesamt mehr als 12 Millionen Menschen. Infolge der Vertreibungen wurden ca. 2,1 Millionen Deutsche in den Tod getrieben und Tausende ermordet.
Die Drei Mächte USA, Großbritannien und UdSSR trafen sich im Juli/August 1945 zur Potsdamer Konferenz. Dort einigten sie sich auf die Grundsätze Demokratisierung, Entnazifizierung, Entmilitarisierung, Dezentralisierung. Das Land wurde in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Die deutschen Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie sowie die Stadt Stettin wurden unter polnische Verwaltung, das nördliche Ostpreußen unter die Verwaltungshoheit der Sowjetunion gestellt; über sie sollte erst im Zuge eines Friedensvertrages mit Deutschland endgültig entschieden werden. Elsass-Lothringen fiel wieder an Frankreich. Österreich wurde wieder von Deutschland abgekoppelt, d. h. der völkerrechtliche Zustand vor dem „Anschluss“ wiederhergestellt, und für sich ebenfalls in vier Besatzungszonen aufgeteilt.
Die Besatzungsmächte gingen in ihren Zonen jeweils eigene Wege, wobei die westlichen Mächte Großbritannien, Frankreich und USA im Zuge des aufkommenden Ost-West-Konflikts tendenziell zunehmend gegen die UdSSR zusammenarbeiteten.
1947 fanden einige Versuche einer Einigung über die Zukunft Gesamtdeutschlands statt, die allerdings an der starren Front ostdeutscher Ministerpräsidenten scheiterten, die zuerst gemeinsame Wahlen gefordert hatten – allerdings wohl im Sinne der SED. Fortan waren die Westmächte bestrebt, einen eigenen westdeutschen Staat in ihren Zonen aufzubauen.
Am 20. März 1948 verließen die Sowjets aus Protest gegen die Londoner Sechsmächtekonferenz den Alliierten Kontrollrat. Am 1. Juli 1948 übergaben die Westmächte den Ministerpräsidenten der Westzonen die Frankfurter Dokumente, eine Aufforderung zur Bildung einer verfassunggebenden Versammlung. Auf der so genannten Rittersturz-Konferenz im Juli 1948 wurde die Gründung einer Bundesrepublik Deutschland beschlossen.

Ende Mai 1949 fand in der SBZ der dritte Deutsche Volkskongress statt. Die Mitglieder wählten den Zweiten Deutschen Volksrat als ständiges Organ. Der Volkskongress nahm die Verfassung für eine Deutsche Demokratische Republik einstimmig an. Am 7. Oktober wurde die DDR gegründet. Die Deutsche Teilung war damit ein Faktum der Geschichte.

BRD (blau) DDR (rot)

BRD (blau) DDR (rot)

Deutschland heute

Deutschland heute

6. Deutschland Heute : Topografische Karte

Deutschland hat insgesamt neun Nachbarstaaten: Dänemark, Polen, Tschechien, Österreich, die Schweiz, Frankreich, Luxemburg, Belgien und die Niederlande. Damit ist Deutschland das Land mit den meisten europäischen Nachbarstaaten.
Im Norden grenzt Deutschland an Dänemark (auf einer Länge von 67 Kilometern), im Nordosten an Polen (442 Kilometer), im Osten an Tschechien (811 Kilometer), im Südosten an Österreich (815 Kilometer; ohne Grenze im Bodensee), im Süden an die Schweiz (316 Kilometer; mit Grenze der Exklave Büsingen, aber ohne Grenze im Bodensee), im Südwesten an Frankreich (448 Kilometer), im Westen an Luxemburg (135 Kilometer) und Belgien (156 Kilometer) und im Nordwesten an die Niederlande (567 Kilometer).

Die Grenzlänge beträgt insgesamt 3757 Kilometer

Jugoslawien als Vielvölkerstaat, Das Problem ethnischer Grenzen

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(Das ehem. Jugoslawien)

Inhalt:

Geschichte:

  • Erstes,
  • Zweites,
  • Drittes Jugoslawien

Grenzziehung

Quellen

 

 

Geschichte

Die Geschichte Jugoslawiens (als Staat) lässt sich in drei Abschnitte gliedern:

Man spricht vom ersten, zweiten und dritten Jugoslawien.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts allerdings, existierte Jugoslawien überhaupt noch nicht.

Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina waren Teil von Österreich-Ungarn und nur Albanien, Montenegro und Serbien waren als eigene Staaten vorhanden.

Erstes Jugoslawien:

1918 wurde mit dem Ende des Ersten Weltkrieges das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen mit Peter I. als serbischem König gegründet.

Dieser Staat umfasste bereits das gesamte Gebiet, das später als Jugoslawien bekannt werden sollte und somit auch alle dort angesiedelten Ethnien.

So verwundert es nicht, dass schon damals Konflikte zwischen serbischen Nationalisten und nach Autonomie strebenden Minderheiten entstanden. Im zentral organisierten Königreich wurden diese allerdings unterdrückt.

Dennoch führten die bestehenden Spannungen 1929 zur Aufhebung der Verfassung und Errichtung der Diktatur Königreich Jugoslawien durch König Alexander I..

Im April 1941 endete dieses sog. Erste Jugoslawien mit der Besetzung durch Deutschland und Italien.

Zweites Jugoslawien:

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 wurde, bestehend aus Montenegro, Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien und Herzegowina und Mazedonien, die Föderative Volksrepublik Jugoslawien gegründet.

Die kommunistische Volksfront von Josip Broz Tito regierte; zunächst nach sowjetischem Vorbild, später jedoch verfolgte Tito einen eigenen Weg des Sozialismus, distanzierte sich von der Sowjetunion und wandte sich westlichen und blockfreien Staaten zu.

1963 folgte die Umbenennung des Staates in Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien.

1974 räumte man den serbischen Gebieten Kosovo und Vojvodina den Status autonomer Provinzen innerhalb Serbiens ein, verweigerte ihnen jedoch gegenüber den Republiken Jugoslawiens das Recht auf Selbstbestimmung und Sezession.

Mit dem Tod Titos 1980 setzte der langsame Zerfall Jugoslawiens ein, da nun der zusammenhaltende Faktor zwischen den Vertretern der Republiken und autonomen Provinzen untereinander nicht mehr gegeben war.

So endete das sog. Zweite Jugoslawien 1991 mit Freien Wahlen, die über die Souveränität der einzelnen Teilstaaten entscheiden sollten.

In allen früheren Republiken (in den autonomen Provinzen fanden keine Wahlen statt) votierte die Mehrheit der Bevölkerung bei hoher Wahlbeteiligung für die Souveränität. (Allerdings: Boykott durch die serbische Bevölkerung; nur 55,5% Stimmanteile für Souveränität in Montenegro)

Die Regierung Serbiens jedoch wollte die Integrität der Republiken für Jugoslawien bewahren und antwortete im Falle von Slowenien, Kroatien und Bosnien mit Krieg auf die erfolgten Unabhängigkeitserklärungen. Dennoch konnten im Endeffekt alle Staaten ihre Unabhängigkeit erreichen.

Drittes Jugoslawien:

Die Bundesrepublik Jugoslawien, bestehend noch aus Serbien und Montenegro, trat 1992 die Nachfolge der SFRJ an. Innerhalb der UN durfte sie nicht den früheren Sitz Gesamtjugoslawiens antreten, sondern musste sich um einen neuen Sitz bewerben.

2003 folgte die Umbenennung in Serbien und Montenegro. Allerdings wurde auch Montenegro 2006 unabhängig, was das Ende des dritten Jugoslawiens und damit Jugoslawiens an sich bedeutete.

2008 erklärte auch die ehemals autonome Provinz Kosovo ihre Unabhängigkeit von Serbien, sie wird allerdings von vielen Staaten nicht anerkannt; Serbien betrachtet den Kosovo weiterhin als integrale Provinz.

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(Wikimedia-Animation, Klicken zum Anzeigen)

Ethnische Gruppierungen – Das Problem der Grenzziehung

Beim ehemaligen Jugoslawien handelt es sich um einen Vielvölkerstaat.

Das heißt im Zuge seiner Entstehung wurden viele unterschiedliche ethnische Gruppen unter einer Regierung zusammengefasst, hauptsächlich Serben, Kroaten, Slowenen, Albaner, Mazedonier und Montenegriner.

Während im westlichen Europa gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Phase der Nationenbildung mit Deutschland also zu ihrem Abschluss kam, wurden die Staatsbildungsbestrebungen der Ethnien Jugoslawiens lange Zeit unterdrückt.

So ist es wohl kaum verwunderlich, dass die Verschiedenen Bevölkerungsgruppen bis heute ein starkes Streben nach Autonomie und Souveränität aufweisen.

Denn Serbien, das lange Zeit eine Politik einer jugoslawischen Föderation vertrat, versuchte diese unter anderem auch auf militärischem Wege durchzusetzen. So kam es zu Kriegen mit Slowenien und Kroatien und auch dem Kosovokonflikt.

Allerdings war das Ergebnis nur ein noch größeres Unabhängigkeitsstreben der betroffenen Völker.

Das Problem, das mit diesem Wunsch nach eigenen Nationen einhergeht ist das der Grenzziehung:

Durch die ehemalige gesamtstaatlichkeit Jugoslawiens existieren keine klaren Abgrenzungen der Volksgruppen untereinander. Besonders in den Grenzgebieten vermischen sich die Ethnien weshalb nicht klar ist welchem Staat dieses Gebiet nun zuzuordnen wäre.

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(Ethnien und Religionen Jugoslawiens)

Hinzu kommen der offensichtliche Unwille Serbiens (als größter ethnischer Gruppe) Gebiete abzutreten und die Unterschiedlichkeit der Sprachen, die eine Kommunikation erschwert und das Konfliktpotenzial erhöht.

Des weiteren sind in dem Gebiet verschiedene Religionen vertreten, vor allem die christlich-katholische, christlich-orthodoxe und die moslemische.

Das misstrauen der Völker untereinander erschwert die politische Grenzziehung bis heute; bestes Beispiel hierfür ist wohl der Kosovo, der 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärte.

(Aus der Sueddeutschen Zeitung: http://www.sueddeutsche.de/politik/917/458568/text/).

 

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Jugoslawien

http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=UUZ02K

Diercke Weltatlas,  1. Auflage 2008, Westermann

 


Gesellschaftliche Grenzen am Beispiel von Russland

Thema: Gesellschaftliche Grenzen am Beispiel von Russland

Übersicht:
1.Grundlagen für die gesellschaftlichen Grenzen in Russland nach dem Zerfall der Sowjetunion
2.Putin als neuer Herrscher des Kremls mit Kursänderung
3.Russlands gesellschaftliche Grenzen aus heutiger Sicht
4.Welche Herausforderungen resultieren daraus für die Politik?

1.)
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Die Grundlage für die ungleiche Vermögensverteilung ist in den neunziger Jahren zu suchen. Damals wurden zwielichtige Geschäftsleute der ersten Stunde, die ihre exzellenten Kontakte in die Politik zu nutzen wussten, Eigentümer der reichsten Rohstoffbetriebe. Man bezeichnet die „Glücksritter“ , die beim Ausverkauf einer ganzen Volkswirtschaft zum Zuge kamen, heute als Oligarchen. Der Begriff Oligarch leitet sich vom griechischen „oligarchia“ ab- „Die Herrschaft weniger“.

Präsident Boris Jelzin (1991-1999) hatte sich für eine „wilde Privatisierung“ des sowjetischen Volkseigentums entschieden. Er ließ sogenannte Voucher ausgeben, die Anteile an Staatsbetrieben symbolisierten. Den Oligarchen gelang es, einen Großteil der Papiere für billiges Geld in ihren Besitz zu bringen. Oft nutzen sie dabei Kontakte zu den Beamten, die für die Privatisierung zuständig waren und so ließen sich über Nacht Ölkonzerne, Autofabriken, Fernsehsender oder Aluminiumkombinate kaufen, meistens zu einem Bruchteil des tatsächlichen Wertes.

Die Folge war, dass die Machtbasis des Präsidenten zur Beute der Oligarchen geworden war, und der Kreml immer mehr zum Spielball der Wirtschaftsmagnaten wurde. Die „besten Stücke“ aus dem Staatseigentum der ehemaligen Sowjetunion gingen an die alte sowjetische Elite, an Funktionäre (z.B. an Funktionäre des kommunistischen Jugendverbandes Komsomol) oder an schlaue Geschäftemacher und Leute mit einer dunklen Vergangenheit. Ihnen ging es nicht um die Stellung Russlands in der der Welt noch um seine Stärke und sein Militär.

Alles drehte sich nur um den eigenen Vorteil. Das Land drohte immer mehr im Chaos zu versinken. Zu den „wenigen Herrschenden“ der ersten Stunde zählten die Medienzaren Boris Beresowski und Wladimir Gussinski sowie Erdölmilliardär Michail Chodorkowski. Für das zunehmende gesellschaftliche Gefälle in Russland waren neben der „wilden Privatisierung“ auch zunehmende regionale Disparitäten (z.B. Kaukasusregion wie Dagestan im Vergleich zu Moskau) und fehlender sozialer Ausgleich verantwortlich.

2.) Zu Wiederherstellung des politischen Systems Russlands musste der Einfluss der Oligarchen begrenzt werden. Dies erschien nur dadurch möglich, dass man den Staatsapparat so ausbaute, dass Wirtschaft und Gesellschaft erneut unter die Kontrolle der politischen Ebene gebracht werden konnten. Nach dem Wechsel im Präsidentenamt gerieten die Oligarchen ins Visier des neuen Staatschefs Wladimir Putin (2000-2008).

Der neue starke Mann im Kreml war nicht lange bereit, die Herrschaft zu teilen und sei es auch nur mit wenigen. Putin unterstanden die wichtigsten Ministerien, darunter auch das Justizministerium, sodass es ein leichtes war, Beresowski und Gusinski ins Ausland zu treiben. Chodorkoswski (ehemaliger Yukos-Chef), der sich gegen den Kreml-Herrscher stellte und Russland nicht verlassen wollte, fand sich auf der Anklagebank und später im sibirischen Lager wieder. Nun steht er erneut vor Gericht und ist Opfer eines politischen Schauprozesses.

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Der frühere Ölmagnat Michail Chodorkowski, einst reichster Mann Russlands muss weiterhin auf eine Begnadigung hoffen.

Die “zweite Generation” der russischen Oligarchen, die im bereits etablierten, aber noch immer entfesselten russischen Kapitalismus groß wurde, zog daraus ihre Lehren. Multimilliardäre wie Roman Abramowitsch und Wladimir Potanin hielten sich von der Politik fern und leben damit gut in Putins Reich.

3.) Die Moskauer Wirtschaftszeitschrift „Finans“ hat in ihrer neuesten Ausgabe die 500 reichsten Russen aufgelistet. Der Spitzenreiter ist Aluminiumbaron Oleg Deripaska mit einem Privatvermögen von 21,2 Mrd. Dollar (16 Mrd. Euro). Den Abschluss bildet ein gewisser Alexander Freiman, Miteigentümer eines Chemiekombinats in Baschkortostan, mit immerhin noch 90 Mio. Dollar.

Demnach verfügen 500 reichsten Russen über ein Gesamtvermögen von 425,1 Mrd. Dollar, 50 Prozent mehr als 2005. Von einem solchen Vermögenszuwachs kann der Rest der russischen Bevölkerung nur träumen. Die Realeinkommen stiegen 2005 um rund zehn Prozent auf im Schnitt 12.000 Rubel (460 Dollar) monatlich.
Russland ist ein Paradebeispiel für ein Sozialwesen, bei dem Arm und Reich extrem weit auseinander klaffen. Hier Kaviar, die längste Jacht der Welt und der FC Chelsea( Anspielung auf Roman Abramowitsch), dort ein zugiges Zimmer in einem Wohnheim und 80 Dollar Rente.

Unter Präsident Wladimir Putin und seinem Nachfolger Dmitri Medwedjew steigt zwar der allgemeine Wohlstand in Russland, mit ihm wächst aber auch die Ungleichheit. So verfügen die Top 500 über mehr als 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, das im vergangenen Jahr rund 800 Mrd. Dollar erreichte. Jeder Siebte, ca. 21 Mio. Menschen, leben hingegen unterhalb des Existenzminimums in bitterer Armut.

Der größte Flächenstaat der Welt leidet auch unter einem extremen regionalen Gefälle. In Kaukasusregionen wie Dagestan oder Inguschetien liegt das Durchschnittsgehalt bei kaum über 3000 Rubel im Monat. In Moskau beträgt der Durchschnittsverdienst das Neunfache.

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Armut und Wohlstand so nahe beieinander und in fast allen Ländern doch nicht miteinander vereinbar. Eines der extremsten Beispiele ist in Russland anzutreffen.

Neben dem extremen Wohlstandsgefälle, welches zu einer Segregation (Entmischung) und möglicherweise auch zu einer unüberwindbaren Grenze in der russischen Gesellschaft führt, behindern weitere Faktoren eine von der Gesellschaft akzeptierte  Gesellschaft mit dem Idealbild einer „Klassenlosen Gesellschaft“ (u.a. von Karl Marx und Engels propagiert):

1. Räumliche Disparitäten: Westlicher Teil ist deutlich stärker besiedelt (74%).
2. Sprachenprobleme: Russland ist ein Vielvölkerstadt, der geprägt wird von unterschiedlichen ethnischen Gruppen und verschiedenen Sprachen (Gefahr: kulturelle und gesellschaftliche Grenzen bzw. Spaltung der Gesellschaft)
3.Infrastrukturprobleme: Der Permafrostboden vor allem im Osten von Russland behindert das Transportwesen und macht Straßen und Wege häufig unzugänglich.
4.Versorgungsschwierigkeiten: Produktionsfortschritte in der Landwirtschaft bleiben aus. Folge sind großer Verderb und ohne den Import aus dem Westen von landwirtschaftlichen Erzeugnissen sicherlich auch Hungerelend.
5.Männermangel: Die Lebenserwartung der Männer sinkt zunehmend. Ein Grund dafür ist der Alkoholismus, der besonders von Männern praktiziert wird.
6.Arbeitskräftemangel: Es sind bereits 80% der Frauen in den industriellen Arbeitsprozess integriert. Eine Aufstockung ist kaum noch möglich, obwohl dringend weitere Arbeitskräfte benötigt werden, um Russlands Wohlstand zu sichern.

7.Die Armut der Rentner:

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Zu den ärmsten Schichten Russlands gehören die Rentner, die vom Wirtschaftswachstum wenig spüren – außer steigenden Preisen.

4.) Für die Gesellschaft kommt die Realität des armen reichen Russland einer Zerreißprobe gleich. Reiche gelten als Diebe, ihr Vermögen als unehrlich erworben. Mehr als 70 Prozent der Russen halten Umfragen zufolge nichts von ihren Unternehmern.
Die Sowjetunion, der Inbegriff der Gleichmacherei, ist gerade vor 15 Jahren zu Grabe getragen worden. In welcher Epoche möchten Sie leben? Die Mehrheit der Russen antwortet auf diese Frage: Unter Breschnew. Als der Generalsekretär mit den buschigen Augenbrauen an der Macht war, verdienten alle mehr oder weniger gleich viel. Man war jung, der Ölpreis hoch.

Unter Putin werden immerhin, anders als unter Amtsvorgänger Boris Jelzin, Löhne, Gehälter und Renten pünktlich ausgezahlt.
Dennoch haben mittlerweile sowohl Wladimir Putin als auch sein Nachfolger Dmitri Medwedjew ein Akzeptanzproblem, weil das Vertrauen der Bevölkerung in ihre Politik schwindet. Ministerpräsindet Putin bringt es nach einer Umfrage des Levada- Instituts auf 48% (vor einem Jahr noch 68%) Rückendeckung bei der Bevölkerung, Präsident Medwedjew nur auf 36%.

Gründe hierfür liegen sicherlich auch in den Schmelzenden Geldreserven zur Finanzierung des „System Putins“, dem Budgetdefizit, dem Rubelverfall, aber vor allem in der wachsenden sozialen Ungleichheit verbunden mit einer wachsenden Arbeitslosigkeit. Die Reaktion der Spitzenpolitiker Russlands ließ nicht lange auf sich warten. Präsident Medwedjew kündigte vor kurzem vor ranghohen Vertretern des Verteidigungsministeriums in Moskau umfangreiche Reformen im Militärsektor an: Die Modernisierung des Atomwaffenarsenals, die Aufrüstung der Armee und bessere soziale Versorgung der Soldaten ab 2011.

Putin und Medwedjew wollen damit sicherlich keinen Obama- Schmusekurs einschlagen, aber die außenpolitische Signalwirkung der angekündigten Maßnahmen ist überschaubar. Innenpoltisch könnten die Rüstungspläne eine viel wichtigere Rolle spielen, da das Thema Militär in der russischen Gesellschaft noch immer einen hohen Stellenwert hat. In der jetzigen instabilen Situation, die nicht zuletzt durch die Wirtschaftskrise hervorgerufen wurde, ist es ein effektives Mittel, die Leute „bei der Stange zu halten“.

Medwedjew gibt sich dadurch als mutig handelnder Akteur, der während der Krise voranschreitet und den Russen mit seinen Aufrüstungsplänen Selbstbewusstsein injiziert. Treten Putin und Medwedjew auch in Zukunft selbstbewusst und in Eintracht auf „könnten beide zusammen letztlich der bessere Putin“ sein.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Arm-Reich-Gefälle, das Russland der zwei Geschwindigkeiten, in der Gesellschaft eine permanente Spannung verursacht. Um die größten Härten auszugleichen, ist der Staat gezwungen, die Sozialausgaben drastisch zu erhöhen. Eine Mittelklasse wie im Westen, wo sie als Fundament für ein demokratisches Staatswesen dient, steht in Russland noch am Anfang.

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Dieses Szenario dürfte der Vergangenheit angehören. Medwedjew tritt immer mehr aus dem Schatten seines Mentors Putin, der in der Karikatur noch die Fäden in der Hand hält. Wichtig für die Behebung der gesellschaftlichen Grenzen ist, dass beide harmonisch zusammenarbeiten, um die sozialen Missstände, die zu gesellschaftlichen Grenzen führen, beheben zu können.

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Hoffentlich bleibt diese Karikatur eine lustige und provokante Übertreibung und wird nicht zum Schreckenszenario großer Teile der russischen Gesellschaft.  Es wäre ein Fehler russischer Politik nur den Blick auf den Energiemarkt zu richten und die Ernährung der eigenen Bevölkerung zu ignorieren.

Quellen:
Das „System Putin“ Metzler Aktuell im Schroedel Verlag
http://www.welt.de/wirtschaft/article718255/Breschnew_hilf.html:
„Arm und Reich in Russland“
Diverse Zeitungsartikel:
„In den Mühlen von Putins Justiz“ (Landeszeitung Schleswig Holstein vom
4.März 2009);
„Russische Realpolitik par Excellenze“ (Kieler Nachrichten vom 19.März 2009)
„Er kann auch anders“ (Die Zeit vom 5.März 2009)
http://de.wikipedia.org/wiki/Russland