Jugoslawien als Vielvölkerstaat, Das Problem ethnischer Grenzen

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(Das ehem. Jugoslawien)

Inhalt:

Geschichte:

  • Erstes,
  • Zweites,
  • Drittes Jugoslawien

Grenzziehung

Quellen

 

 

Geschichte

Die Geschichte Jugoslawiens (als Staat) lässt sich in drei Abschnitte gliedern:

Man spricht vom ersten, zweiten und dritten Jugoslawien.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts allerdings, existierte Jugoslawien überhaupt noch nicht.

Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina waren Teil von Österreich-Ungarn und nur Albanien, Montenegro und Serbien waren als eigene Staaten vorhanden.

Erstes Jugoslawien:

1918 wurde mit dem Ende des Ersten Weltkrieges das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen mit Peter I. als serbischem König gegründet.

Dieser Staat umfasste bereits das gesamte Gebiet, das später als Jugoslawien bekannt werden sollte und somit auch alle dort angesiedelten Ethnien.

So verwundert es nicht, dass schon damals Konflikte zwischen serbischen Nationalisten und nach Autonomie strebenden Minderheiten entstanden. Im zentral organisierten Königreich wurden diese allerdings unterdrückt.

Dennoch führten die bestehenden Spannungen 1929 zur Aufhebung der Verfassung und Errichtung der Diktatur Königreich Jugoslawien durch König Alexander I..

Im April 1941 endete dieses sog. Erste Jugoslawien mit der Besetzung durch Deutschland und Italien.

Zweites Jugoslawien:

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 wurde, bestehend aus Montenegro, Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien und Herzegowina und Mazedonien, die Föderative Volksrepublik Jugoslawien gegründet.

Die kommunistische Volksfront von Josip Broz Tito regierte; zunächst nach sowjetischem Vorbild, später jedoch verfolgte Tito einen eigenen Weg des Sozialismus, distanzierte sich von der Sowjetunion und wandte sich westlichen und blockfreien Staaten zu.

1963 folgte die Umbenennung des Staates in Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien.

1974 räumte man den serbischen Gebieten Kosovo und Vojvodina den Status autonomer Provinzen innerhalb Serbiens ein, verweigerte ihnen jedoch gegenüber den Republiken Jugoslawiens das Recht auf Selbstbestimmung und Sezession.

Mit dem Tod Titos 1980 setzte der langsame Zerfall Jugoslawiens ein, da nun der zusammenhaltende Faktor zwischen den Vertretern der Republiken und autonomen Provinzen untereinander nicht mehr gegeben war.

So endete das sog. Zweite Jugoslawien 1991 mit Freien Wahlen, die über die Souveränität der einzelnen Teilstaaten entscheiden sollten.

In allen früheren Republiken (in den autonomen Provinzen fanden keine Wahlen statt) votierte die Mehrheit der Bevölkerung bei hoher Wahlbeteiligung für die Souveränität. (Allerdings: Boykott durch die serbische Bevölkerung; nur 55,5% Stimmanteile für Souveränität in Montenegro)

Die Regierung Serbiens jedoch wollte die Integrität der Republiken für Jugoslawien bewahren und antwortete im Falle von Slowenien, Kroatien und Bosnien mit Krieg auf die erfolgten Unabhängigkeitserklärungen. Dennoch konnten im Endeffekt alle Staaten ihre Unabhängigkeit erreichen.

Drittes Jugoslawien:

Die Bundesrepublik Jugoslawien, bestehend noch aus Serbien und Montenegro, trat 1992 die Nachfolge der SFRJ an. Innerhalb der UN durfte sie nicht den früheren Sitz Gesamtjugoslawiens antreten, sondern musste sich um einen neuen Sitz bewerben.

2003 folgte die Umbenennung in Serbien und Montenegro. Allerdings wurde auch Montenegro 2006 unabhängig, was das Ende des dritten Jugoslawiens und damit Jugoslawiens an sich bedeutete.

2008 erklärte auch die ehemals autonome Provinz Kosovo ihre Unabhängigkeit von Serbien, sie wird allerdings von vielen Staaten nicht anerkannt; Serbien betrachtet den Kosovo weiterhin als integrale Provinz.

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(Wikimedia-Animation, Klicken zum Anzeigen)

Ethnische Gruppierungen – Das Problem der Grenzziehung

Beim ehemaligen Jugoslawien handelt es sich um einen Vielvölkerstaat.

Das heißt im Zuge seiner Entstehung wurden viele unterschiedliche ethnische Gruppen unter einer Regierung zusammengefasst, hauptsächlich Serben, Kroaten, Slowenen, Albaner, Mazedonier und Montenegriner.

Während im westlichen Europa gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Phase der Nationenbildung mit Deutschland also zu ihrem Abschluss kam, wurden die Staatsbildungsbestrebungen der Ethnien Jugoslawiens lange Zeit unterdrückt.

So ist es wohl kaum verwunderlich, dass die Verschiedenen Bevölkerungsgruppen bis heute ein starkes Streben nach Autonomie und Souveränität aufweisen.

Denn Serbien, das lange Zeit eine Politik einer jugoslawischen Föderation vertrat, versuchte diese unter anderem auch auf militärischem Wege durchzusetzen. So kam es zu Kriegen mit Slowenien und Kroatien und auch dem Kosovokonflikt.

Allerdings war das Ergebnis nur ein noch größeres Unabhängigkeitsstreben der betroffenen Völker.

Das Problem, das mit diesem Wunsch nach eigenen Nationen einhergeht ist das der Grenzziehung:

Durch die ehemalige gesamtstaatlichkeit Jugoslawiens existieren keine klaren Abgrenzungen der Volksgruppen untereinander. Besonders in den Grenzgebieten vermischen sich die Ethnien weshalb nicht klar ist welchem Staat dieses Gebiet nun zuzuordnen wäre.

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(Ethnien und Religionen Jugoslawiens)

Hinzu kommen der offensichtliche Unwille Serbiens (als größter ethnischer Gruppe) Gebiete abzutreten und die Unterschiedlichkeit der Sprachen, die eine Kommunikation erschwert und das Konfliktpotenzial erhöht.

Des weiteren sind in dem Gebiet verschiedene Religionen vertreten, vor allem die christlich-katholische, christlich-orthodoxe und die moslemische.

Das misstrauen der Völker untereinander erschwert die politische Grenzziehung bis heute; bestes Beispiel hierfür ist wohl der Kosovo, der 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärte.

(Aus der Sueddeutschen Zeitung: http://www.sueddeutsche.de/politik/917/458568/text/).

 

Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Jugoslawien

http://www.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=UUZ02K

Diercke Weltatlas,  1. Auflage 2008, Westermann