Heinrich Harrer – 7 Jahre in Tibet

Der Österreicher Heinrich Harrer nahm 1939 an einer von den Nationalsozialisten organisierten Expedition zum Himalaya teil. Seit Oktober 1933 gehörte er der SA an, 1938 trat er der NSDAP und der SS bei.

Aufgrund des Ausbruches des 2. Weltkrieges wurde er in Indien gefangen genommen. Er schaffte es, zu entkommen, gemeinsam mit dem Diplomingenieur Aufschnaiter. Sie flüchteten zu Fuß 21 Monate, 2.000 Kilometer nach Lhasa, da dies zu diesem Zeitpunkt noch unabhängig von China war. Dort berieten sie den 14. Dalai Lama. Als die chinesische Regierung 1950 den Machtanspruch auf Tibet geltend machen wollte, floh Harrer und kehrte später nach Europa zurück.

Über seine Erlebnisse schrieb Heinrich Harrer sein Buch „7 Jahre in Tibet“.
Dieses wurde auch verfilmt mit dem Regisseur Jean-Jaques Annaud und den Darstellern Brad Pitt, David Thewlis und Jamyang Jamtsho Wangchuk, welche daraufhin ein lebenslanges Einreiseverbot nach China erhielten. Allerdings weicht die im Film erzählte Geschichte in mehreren Punkten vom Buch ab.

Die aktuelle Lage

Für die meisten Tibeter haben sich die Lebensbedingungen seit 1950 deutlich verschlechtert. Auf dem Land haben die Menschen immer noch keinen Zugang zu Strom, medizinischer Versorgung oder Schulbildung. Durch die starke Umweltverschmutzung ist auch der Zugang zu sauberem Trinkwasser nicht mehr gewährleistet.
Die Internationale Juristenkommission geht davon aus, dass ca. 70% der Tibeter in Tibet unterhalb der Armutsgrenze leben.

Das „Projekt zur Linderung der Armut in Westchina” der UNO, welches dafür sorgen sollte, den Tibetern mehr Nahrung zu gewährleisten, führte dazu, dass die Weizenproduktion gesteigert wurde und somit günstiger nach China exportiert werden konnte.

Seit dem es die neue Bahnlinie (2007 fertig gestellt) von China nach Tibet gibt, ist die Arbeitslosigkeit rapide angestiegen aufgrund des Ansturms der chinesischen Arbeiter.
Von 2001 bis 2005 wurde die Lhasa-Bahn gebaut, eine 1125 km lange Eisenbahnstrecke von Zentralchina bis zur tibetischen Hauptstadt Lhasa. Öl, Kohle, Güter aus dem Bergbau Tibets und andere Waren können nun zu einem Bruchteil der bisherigen Kosten über eine Bahnstrecke befördert werden.

Zur Erreichung der im “China’s Western Development Program” (Entwicklungsprogramms für den Westen Chinas) formulierten Ziele hat Peking in den letzten Jahren beträchtliche Summen in die von Minderheiten bewohnten Gebiete gepumpt, um die in diesen Regionen vorhandenen Ressourcen zu nutzen und sie dabei politisch enger an China zu binden
Zu den geplanten Projekten, wie z.B. einer Eisenbahnlinie von Gormo nach Lhasa im Wert von 3,2 Milliarden US$, einem West-Ost-Stromtransfer, einem West-Ost-Gastransfer oder der Süd-Nord-Wasserumleitung wurden keinerlei fundierte Umweltgutachten oder -studien veröffentlicht. Diese Infrastrukturprojekte, die dazu dienen, Chinas eigenen Bedarf nach Weiterentwicklung zu befriedigen, lassen ernsthafte Bedenken aufkommen, inwieweit Chinas Engagement echt und es eigentlich bereit ist, für die Verbesserung und den Schutz der Umwelt zu sorgen und eine nachhaltige Entwicklungspolitik in Tibet zu betreiben.
Bei dem geplanten „Süd-Nord-Wasserumleitungsvorhaben” soll Wasser aus den von Minderheiten bewohnten südwestlichen Regionen, die verhältnismäßig reich an Wasservorräten sind, in den ausgedörrten Norden, wo Desertifikation und Dürre immer mehr fortschreiten, umgeleitet werden.
Einige der führenden Politiker haben des weiteren Zweifel an der Durchführbarkeit des gigantischen Projekts zum Ausdruck gebracht, da dies verheerende Folgen für die Umwelt und Bevölkerung Süd-Tibets nach sich ziehen würde.

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Holz wird auf der nur teilweise ausgebauten 1100 Kilometer langen Autobahn, dem so genannten “Friendship-Highway” aus Tibet (Lhasa) nach China (Xigaze) transportiert. Daran schließt sich eine 100 Kilometer lange Baustelle an. In drei Jahren soll der Ausbau der Straße fertig gestellt sein.
Zwar wurde der Holzeinschlag in Tibet wurde von 210.000 m³ im Jahr in den 80er Jahren auf 50.000 bis 60.000 m³ in den Jahren 2002 und 2003 reduziert, dennoch richtet das Abholzen der Wälder in Tibet Umweltschäden an. Ca. 46% des Waldbestandes sind bereits abgeholzt.

Autonomes Gebiet?

In Tibet (wie in China) werden die Menschenrechte von der Chinesischen Regierung nicht geachtet, die tibetische Exilregierung kann darauf keinen Einfluss nehmen. Die meist friedlichen Proteste der Tibeter werden, wie z.B. am 10.3.2008 von der chinesischen Armee brutal niedergeschlagen, wobei es an diesem Tag nach tibetischen Angaben 200 Tote gab. Amnesty international schätzt die Zahl der Todesopfer sogar noch auf ein Vielfaches davon. Chinesischen Angaben zufolge starben 21.

Über 1000 Demonstranten wurden festgenommen und viele sind bis heute noch im Gefängnis, in dem sie gefoltert werden, kaum Nahrung bekommen und keine medizinischen Behandlungen erhalten, wie Freigelassene berichten.

In Tibet werden alle Medien wie Zeitungen, Radio und Fernsehen von der chinesischen Regierung überwacht und zensiert, es existiert keine Meinungsfreiheit. Der Dalai Lama wird in der Presse als ein Verräter dargestellt, der das Land spalten will. Journalisten ist es nicht gestattet, nach Tibet zu kommen und erst seit Ende März diesen Jahres dürfen Touristen wieder einreisen.

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Dieses Bild zeigt die chinesischen Sicherheitskräfte in Lhasa. Laut China soll es eine Polizei zum Schutz der Bürger sein, für die Tibeter wirkt es eher wie eine Armee. (Leider gibt es keine Bilder mit besserer Qualität, da es eigentlich verboten ist, chinesische Polizei zu fotografieren)
Allein das Militär- und Sicherheitspersonal in Tibet wird auf 600.000 geschätzt.

Erst 2002 wurde die tibetische Sprache als offizielle Sprache neben der chinesischen auch in Gerichten akzeptiert. Seit dem wird tibetisch auch an den Schulen als Pflichtfach gelehrt. Allerdings wird auf öffentlichen Treffen häufig noch chinesisch gesprochen, weshalb die meisten gebildeten Tibeter beide Sprachen beherrschen.

Geschichtliche Hintergründe

Bis 1720 besaß Tibet keine festgelegten Grenzen. Dann wurde das Gebiet Tibet zum chinesischen Protektorat, wobei es eine völlige innere Autonomie besaß. Für China hatte dies den Vorteil, dass seine Grenzen bis zum Himalaja reichten und sich somit das Einflussgebiet vergrößerte. Tibet wurde Schutz vor umliegenden Mächten gewährt, da diese bei einem Kampf gegen Tibet mit dem Eingreifen der chinesischen Armee rechnen mussten.

Aus diesem Grund argumentiert die chinesische Regierung damit, dass Tibet schon seit mehreren Jahrhunderten ein Teil Chinas sei.

1907 einigten sich Russland und England darauf, dass China die Oberherrschaft über Tibet erhalten sollte. Aus diesem Grund schickte China ihre Armee 1910 nach Tibet um seinen Machtanspruch geltend zu machen. Der Dalai Lama floh ins Exil nach Indien.

Da 1911 die Revolution in China stattfand, verkleinerte sich die Macht Chinas über Tibet stark, da die meisten Garnisonen bis auf eine kleine in der Hauptstadt Lhasa abgezogen wurden. Dies ermöglichte es dem Dalai Lama auch 1912 zurück nach Lhasa zu kehren und am 14.2.1913 die Unabhängigkeit Tibets auszurufen. China gab seinen Machtanspruch auf Tibet während dieser Zeit nicht auf, da es allerdings selbst zerspalten von Bürgerkriegen und durch den Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg abgelenkt war, wurde nicht viel unternommen, diesen Machtanspruch geltend zu machen.

1945 brach in China ein schwerer Bürgerkrieg aus, weshalb die chinesischen Beamten aus Tibet geschickt und die eigenen Armeen aufgerüstet wurden.

Nachdem die Kommunistische Partei in China mit Mao Zedong die Macht in China übernommen hatte, erhob diese erneut Anspruch auf Tibet. Offiziell wollte China Tibet von dem “britisch imperialistischen Joch” befreien. Chinas Volksbefreiungsarmee konnte die schlecht ausgerüstete Armee Tibets zurückschlagen, sodass diese bald kapitulieren musste.
Der damals 15-jährige 14. Dalai Lama übernahm die Regierung Tibets. Auf die Hilfe von Seiten der Vereinten Nationen wartete Tibet vergeblich, da Großbritannien und Indien aufgrund des ungeklärten Rechtsstatus Tibets diese verwehrten.

Am 23.5.1951 unterzeichneten einige Repräsentanten der tibetischen Regierung das 17-Punkte Abkommen. Allerdings besaßen diese nicht die Vollmacht, sodass das Abkommen von tibetischer Seite als nicht rechtskräftig angesehen wurde. Im 17-Punkte Abkommen wurde festgelegt, dass Tibet in das chinesische Regierungsgebiet eingegliedert wird, es wurde ihnen jedoch zugesichert, eine regionale Autonomie, welche nur einen relativ kleinen Teil des ehemaligen Tibets umfasste, mit dem existierenden politischen System zu verwalten. Außerdem garantierte dieses Abkommen den Tibetern Religionsfreiheit. Die Regierung Tibets stimmte im Oktober dem 17-Punkte Abkommen zu. Daraufhin wurde die Volksbefreiungsarmee nach Lhasa geschickt, wonach es beinahe so viele chinesische Soldaten wie Tibeter in diesem Gebiet gab.

In den anderen ehemals tibetischen Gebieten, die der chinesischen Regierung unterstanden, versuchte die Kommunistische Partei, die Landreform und die Sesshaftwerdung der tibetischen Nomaden durchzusetzen, was von der Bevölkerung sehr negativ aufgenommen wurde und am 10.3.1955 zu einem Aufstand führte, der jedoch brutal von der chinesischen Armee niedergeschlagen wurde. Danach organisierten sich verschiedene Stammesgruppen und schlossen sich zum so genannten Khampa-Widerstand zusammen.

Bis 1959 bestand das Regierungssystem unter dem Dalai Lama, bis auf die Außen- und Verteidigungspolitik. Allerdings wurden in Tibet Organe der chinesischen Staatsgewalt eingerichtet, wodurch die faktische Autonomie eingeschränkt wurde. Es wurden daraufhin zwei Autobahnen, die Zentraltibet mit China verbanden, gebaut, um Rohstoffe aus Tibet nach China zu transportieren.

Am 10.3.1959 brach in Lhasa der Tibetaufstand aus. Als Antwort darauf beschossen die chinesischen Truppen die Norbulinka, die Sommerresidenz des Dalai Lamas am 17.3, in der sich dieser aufhielt. Daraufhin floh der 14. Dalai Lama nach Indien.  Bis zum 21.3 brachen in der Stadt Kämpfe der Tibeter gegen die Chinesischen Truppen aus, jedoch wurde der Aufstand von den chinesischen Truppen gewaltvoll beendet. Nach tibetischen Angaben gab es 87 000 Todesopfer während und in den Monaten nach dieser Protestaktion.

1971 wurden die ersten Kernwaffen nach Tibet gebracht. Heute unterhält China 17 geheime Radarstationen, 14 militärische Luftwaffenstützpunkte, 8 Raketenabschussbasen, 8 Abschussbasen für Interkontinentalraketen, 70 Raketen mit mittlerer Reichweite und 20 Mittelstreckenraketen in Tibet.

In den folgenden Jahren bis 1976 wurden mehrere tausend Klöster und fast alle anderen Bildungs- und Kulturstätten Tibets von den chinesischen Truppen zerstört.

Seit 1982 siedelte die chinesische Regierung besonders chinesische technische, geschäftliche und unternehmerische Fachkräfte nach Tibet um, die den Markt für chinesische Fertigwaren öffnen sollten. In den folgenden Jahren verloren daher viele Tibeter ihre Arbeitsplätze. Vor allem jene, die eine bessere Qualifizierung forderten, wurden von Chinesen besetzt, wodurch bis heute ein starkes Ungleichgewicht der Einkommen herrscht.

1984 startete die chinesische Regierung ein Projekt, das tibetische Unternehmen fördern sollte. Allerdings kamen die Gelder fast ausschließlich chinesischen Unternehmen in Tibet zugute, weshalb die tibetische Bevölkerung immer mehr an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurde.

1999 stellte die Weltbank China Gelder zur Verfügung um über 60.000 Chinesen nach Tibet umzusiedeln, angeblich um die dortige Armut zu verringern.

Tibets Grenzen – Swantje

Tibets Grenzen

 

Allgemein

 

Bevölkerung: 2.630.000 (2,2 Einwohner/km²) davon 81& auf dem Land, 19% in den Städten

Fläche: 1.228.400 km² (entspricht 12,8% der Fläche Chinas)

derzeitiger Gouverneur: Qamba Puncog

Analphabetenrate: 32%

Lebenserwartung: 67 Jahre

Verfügbares Einkommen: Stadt: US$ 1051, Land: US$ 259