Gentrifizierung am Beispiel des Hamburger Schanzenviertels

Gliederung:

 

1. Definition: Gentrifizierung

2. Kurze Vorstellung des Hamburger Schanzenviertels

3. Der Gentrifizierungsprozess im Hamburger Schanzenviertel 

4. Quellen

 

1.Definition

Die Gentrifizierung (von engl. Gentry: niederer Adel), teils auch Gentrifikation (von engl. Gentrification), umgangssprachlich auch Yuppisierung, ist ein in der Stadtgeographie angewandter Begriff, der einen sozialen Umstrukturierungsprozess eines Stadtteiles beschreibt, die Aufwertung des Wohnumfelds durch teils gezielte und selektive Veränderung der Bevölkerung, sowie durch Restaurierungs- und Umbautätigkeit. (www.wikipedia.de)

 2. Vorstellung des Hamburger Schanzenviertels:

Vollbild anzeigenDas Schanzenviertel, auch als Schanze oder Die Schanze wird in der Hamburger Bevölkerung und Verwaltung ein je nach Auslegung etwa 0,2 bis 0,4 Quadratkilometer umfassender Stadtbereich im Umkreis des Hamburger Sternschanzenparks bezeichnet und mit zum hamburger Atadtteil Altona gehört. Dieser Stadtbereich zeichnet sich vor allem durch ein individuelles soziokulturelles Gepräge der Bevölkerung sowie das dichte Gemisch von Wohn-, Geschäfts- und Gewerbebebauung aus. Seinen Namen hat das Viertel von der 1682 dort gebauten Verteidigungsanlage  Sternschanze.

Das Schanzenviertel  war  zunächst ein verarmtes, heruntergekommenes Altbauviertel, dessen Abriss teilweise geplant war und gilt heute als Szeneviertel in Hamburg und ist bei jungen Erwachsenen beliebtes Wohngebiet wegen seiner alternativen Kultur, was auch durch viele Einwanderer zustande gekommen ist. Im Zentrum sind viele  Bars, Restaurants, ausländische Kleinunternehmer, Modeboutiquen und die dazugehörige Kundschaft vorzufinden, die das Strassenbild prägen. 

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3.Gentrifizierung im Hamburger Schanzenviertel:

Gentrifizierung findet meistens in Stadtteilen statt, die einen ursprünglich hohen Wert, d.h. bevorzugte Lage (z.B. Wasser-, City- oder Grünflächen-Nähe) oder einen wertvollen Wohnungsbestand (Altbauten) vorweisen können.

Diese Stadtteile besitzen zu Beginn des Gentrifizierungsprozesses jedoch niedrige Wohnqualität und vor allem niedrige Wohnpreise. In diesen Gebieten findet man überwiegend sozial Schwächergestelle und einen hohen Anteil an Ausländern und Arbeitslosen.

Auf Grund der guten Wohnlage und der trotzdem niedrigen Preise werden die genannten Stadtteile für sogenannte „Pioniere” (Studenten, Künstler, Subkultur etc.) attraktiv. Diese werten in einem ersten Schritt die Stadtteile auf und setzen einen Segregationsprozess in Gang. Viele Studenten steigen in das Berufsleben ein und verdienen folglich deutlich mehr Geld als die Einwanderer. Dies führt zu einer erhöhten Kapitalansammlung in diesem Stadtteil. Investoren sehen Chancen zur Wertsteigerung (Spekulation). Erste Häuser und Wohnungen werden restauriert, Szene-Clubs und Kneipen entstehen. Die Mieten steigen. Alteingesessene werden – manchmal mit rüden Methoden – u.a. durch Mieterhöhungen vertrieben. Neu Eingewanderte, Studenten oder erfolglose Künstler können sich die höheren Mietpreise nicht leisten und siedeln sich in anderen Stadtteilen an. Eine neue, wohlhabendere Klientel siedelt sich an und setzt oft andere Lebensstandards durch.

Immobilienunternehmen entdecken das Interesse und sanieren weitere Häuser luxuriös.

Das Resultat ist, dass sich die ursprüngliche Bevölkerungsstruktur und der Charakter (Flair) der zuvor oftmals alternativen, multikulturellen Viertel wandeln.

Im Schanzenviertel führte dieser Prozess zu Widerständen, da die Einwohner ihre Heimat nicht verlieren wollen. So kam es unter anderem auch zu Anschlägen mit Farbbeuteln oder Stinkbomben. Doch all das hielt die Politiker nicht auf ihre Sanierungsziele weiter zu verfolgen und so ist “Der städtebauliche Missstand beseitigt. Die Bewohnerschaft ist  zum Großteil ausgetauscht, und die Schanze ist ein Vergnügungsviertel geworden.”

4. Quellen

www.hamburg-tourism.de

www.hamburg-schanze.de

www.wikipedia.org/wiki/Schanzenviertel

4.Verhandlungen zur Wiedervereinigung

Am 13. Mai 1983 kam es zu Interventionen von außen: Die UN-Resolution 37/253 besagte unter anderem den Rückzug der Truppen von der Insel und die vollständige Rückkehr der Flüchtlinge. Beide Teile Zyperns verfolgten aber immer noch unterschiedliche Interessen. Beispielsweise wollten die türkischen Zyprioten ein Land mit zwei homogenen „Bundesländern“, wohingegen die griechischen Zyprioten darauf bestanden,dass beachtet werden müsste, dass 82% der Bevölkerung die Griechen stellten. Daher waren die Verhandlungen insgesamt sehr kompliziert und langwierig.

Die Reaktion der Inseltürken auf die Resolution war die Unabhängigkeitserklärung der Türkischen Republik Zypern, welche international bis heute nicht anerkannt ist. Es folgten Maßnahmen der UN, die jedoch scheiterten, wie zum Beispiel die „set of ideas“. Dies war ein umfassender und detaillierter Vorschlag zur Beilegung des Konflikts.

Im Juli 1990 verkomplizierte sich die Situation, da die Republik Zypern(international anerkannt) einen Antrag auf die Mitgliedschaft in der EU stellte. Es kam zu einer Empörung auf der türksichen Seite und alle bisherigen Verhandlungen wurden abgebrochen.

Als dann 2002 Zypern der EU beitrat, kam es zu erneuten Verhandlungen mit der UN, die mit Hilfe einer neuen Regierung in der Türkei erleichtert wurden, da die nun führende Partei AKP ihren Blick auch Richtung EU wand. Anfang 2004 folgte der Annan-Plan(Lösungsplan). Das Hauptziel war eine Konföderation. Unter anderem sollte 27% des Territoriums für den Norden sein, ein anderer Punkt war die Garantiemächte so zu lassen, wie sie vorher schon galten.

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Auf griechsicher Seite stimmten 24 % zu, auf türksicher sogar 64%. Aus griechischer Sicht sei der Plan zu pro-türkisch gewesen und die griechischen Zyprioten hofften auf bessere Verhältnisse durch ihre EU-Mitgliedschaft.

Seit 2008 regiert auf griechicher Seite Dimitris Chistofias, der zu politisch zu den Linken zählt, auf türkischer Seite stellt Mehmet Ali Talat die Regierung. Erstmal sind zwei moderate Politiker an der Macht, die nicht zu den Radikalen zählen; sie selbst behaupten sogar Freunde zu sein. Trotzdem gibt es bis heute hin immer noch keine Lösung des Konflikts.

5.Heutige “Grenzen”?

Heute stellt sich in dem Konflikt für die Inselbewohner die Identitästfrage: Ist man Grieche? Türke? Oder Zypriot?

Der Konflikt bewegt sich immer noch zwischen den Nationalismen, und zwar besser gesagt zwischen den rechten Partein. Dies bedeutet, dass nicht alle auf der Seite der jeweiligen Partei standen und sie so vertraten wie die Meinungen öffentlich waren.

Viele Linke der Türken, wie zum Beispiel die CTP waren und sind republikanisch türkisch und setzen ihren Schwerpunkt auf den geopolitischen Raum Zyperns. Dabei betonen sie die Gemeinsamkeit aller Bewohner und hegten immer den Wunsch eines gemeinsamen Staates und standen der Türkei kritisch gegenüber.

Es kam, nachdem 2003 die CTP an die Macht kam, zu zahlreichen Umschreiben der Geschichtsbücher, da es nicht mehr um ein Türkei-orientiertes Geschichtsmodell geht, sondern um ein Zypern-orientiertes. Es sollte zu einer Entstehung der nationalen Identität in Zypern kommen.

Somit stellt sich die Identitäsfrage im heutigen Konflikt sowohl auf politischer als auch auf gesellschaftlicher Ebene: Die Rechten bezeichnen sich immer noch als Türken oder Griechen, die Linken aber zunehmend als Zyprioten. Somit war Teil des Konflikts immer ein zugleich innerer, in der die nationale Rechte auf die Linke stoß. Sowohl die CTP als auch die AKEL, die griechische Linke, wurden gewaltätig angegriffen.

Wie zuvor genannt, sind nun erstmals zwei Linke an der Macht, die sich einer föderalen Lösung verpflichtet fühlen, wodurch es vielleicht endlich zu EINEM Zypern kommen kann und die Grenzen von früher durchbrochen werden können, obowhl die Mauer schon seit dem 3.April 2008 geöffnet ist.

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Quellen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Zypernkonflikt

http://de.wikipedia.org/wiki/Zypern

http://de.wikipedia.org/wiki/Republik_Zypern

http://www.bpb.de/suche/?all_search_action=search&all_search_text=zypern&OK.x=0&OK.y=0

https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/cy.html

Gesellschaftliche Grenzen am Beispiel von Russland

Thema: Gesellschaftliche Grenzen am Beispiel von Russland

Übersicht:
1.Grundlagen für die gesellschaftlichen Grenzen in Russland nach dem Zerfall der Sowjetunion
2.Putin als neuer Herrscher des Kremls mit Kursänderung
3.Russlands gesellschaftliche Grenzen aus heutiger Sicht
4.Welche Herausforderungen resultieren daraus für die Politik?

1.)
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Die Grundlage für die ungleiche Vermögensverteilung ist in den neunziger Jahren zu suchen. Damals wurden zwielichtige Geschäftsleute der ersten Stunde, die ihre exzellenten Kontakte in die Politik zu nutzen wussten, Eigentümer der reichsten Rohstoffbetriebe. Man bezeichnet die „Glücksritter“ , die beim Ausverkauf einer ganzen Volkswirtschaft zum Zuge kamen, heute als Oligarchen. Der Begriff Oligarch leitet sich vom griechischen „oligarchia“ ab- „Die Herrschaft weniger“.

Präsident Boris Jelzin (1991-1999) hatte sich für eine „wilde Privatisierung“ des sowjetischen Volkseigentums entschieden. Er ließ sogenannte Voucher ausgeben, die Anteile an Staatsbetrieben symbolisierten. Den Oligarchen gelang es, einen Großteil der Papiere für billiges Geld in ihren Besitz zu bringen. Oft nutzen sie dabei Kontakte zu den Beamten, die für die Privatisierung zuständig waren und so ließen sich über Nacht Ölkonzerne, Autofabriken, Fernsehsender oder Aluminiumkombinate kaufen, meistens zu einem Bruchteil des tatsächlichen Wertes.

Die Folge war, dass die Machtbasis des Präsidenten zur Beute der Oligarchen geworden war, und der Kreml immer mehr zum Spielball der Wirtschaftsmagnaten wurde. Die „besten Stücke“ aus dem Staatseigentum der ehemaligen Sowjetunion gingen an die alte sowjetische Elite, an Funktionäre (z.B. an Funktionäre des kommunistischen Jugendverbandes Komsomol) oder an schlaue Geschäftemacher und Leute mit einer dunklen Vergangenheit. Ihnen ging es nicht um die Stellung Russlands in der der Welt noch um seine Stärke und sein Militär.

Alles drehte sich nur um den eigenen Vorteil. Das Land drohte immer mehr im Chaos zu versinken. Zu den „wenigen Herrschenden“ der ersten Stunde zählten die Medienzaren Boris Beresowski und Wladimir Gussinski sowie Erdölmilliardär Michail Chodorkowski. Für das zunehmende gesellschaftliche Gefälle in Russland waren neben der „wilden Privatisierung“ auch zunehmende regionale Disparitäten (z.B. Kaukasusregion wie Dagestan im Vergleich zu Moskau) und fehlender sozialer Ausgleich verantwortlich.

2.) Zu Wiederherstellung des politischen Systems Russlands musste der Einfluss der Oligarchen begrenzt werden. Dies erschien nur dadurch möglich, dass man den Staatsapparat so ausbaute, dass Wirtschaft und Gesellschaft erneut unter die Kontrolle der politischen Ebene gebracht werden konnten. Nach dem Wechsel im Präsidentenamt gerieten die Oligarchen ins Visier des neuen Staatschefs Wladimir Putin (2000-2008).

Der neue starke Mann im Kreml war nicht lange bereit, die Herrschaft zu teilen und sei es auch nur mit wenigen. Putin unterstanden die wichtigsten Ministerien, darunter auch das Justizministerium, sodass es ein leichtes war, Beresowski und Gusinski ins Ausland zu treiben. Chodorkoswski (ehemaliger Yukos-Chef), der sich gegen den Kreml-Herrscher stellte und Russland nicht verlassen wollte, fand sich auf der Anklagebank und später im sibirischen Lager wieder. Nun steht er erneut vor Gericht und ist Opfer eines politischen Schauprozesses.

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Der frühere Ölmagnat Michail Chodorkowski, einst reichster Mann Russlands muss weiterhin auf eine Begnadigung hoffen.

Die “zweite Generation” der russischen Oligarchen, die im bereits etablierten, aber noch immer entfesselten russischen Kapitalismus groß wurde, zog daraus ihre Lehren. Multimilliardäre wie Roman Abramowitsch und Wladimir Potanin hielten sich von der Politik fern und leben damit gut in Putins Reich.

3.) Die Moskauer Wirtschaftszeitschrift „Finans“ hat in ihrer neuesten Ausgabe die 500 reichsten Russen aufgelistet. Der Spitzenreiter ist Aluminiumbaron Oleg Deripaska mit einem Privatvermögen von 21,2 Mrd. Dollar (16 Mrd. Euro). Den Abschluss bildet ein gewisser Alexander Freiman, Miteigentümer eines Chemiekombinats in Baschkortostan, mit immerhin noch 90 Mio. Dollar.

Demnach verfügen 500 reichsten Russen über ein Gesamtvermögen von 425,1 Mrd. Dollar, 50 Prozent mehr als 2005. Von einem solchen Vermögenszuwachs kann der Rest der russischen Bevölkerung nur träumen. Die Realeinkommen stiegen 2005 um rund zehn Prozent auf im Schnitt 12.000 Rubel (460 Dollar) monatlich.
Russland ist ein Paradebeispiel für ein Sozialwesen, bei dem Arm und Reich extrem weit auseinander klaffen. Hier Kaviar, die längste Jacht der Welt und der FC Chelsea( Anspielung auf Roman Abramowitsch), dort ein zugiges Zimmer in einem Wohnheim und 80 Dollar Rente.

Unter Präsident Wladimir Putin und seinem Nachfolger Dmitri Medwedjew steigt zwar der allgemeine Wohlstand in Russland, mit ihm wächst aber auch die Ungleichheit. So verfügen die Top 500 über mehr als 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, das im vergangenen Jahr rund 800 Mrd. Dollar erreichte. Jeder Siebte, ca. 21 Mio. Menschen, leben hingegen unterhalb des Existenzminimums in bitterer Armut.

Der größte Flächenstaat der Welt leidet auch unter einem extremen regionalen Gefälle. In Kaukasusregionen wie Dagestan oder Inguschetien liegt das Durchschnittsgehalt bei kaum über 3000 Rubel im Monat. In Moskau beträgt der Durchschnittsverdienst das Neunfache.

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Armut und Wohlstand so nahe beieinander und in fast allen Ländern doch nicht miteinander vereinbar. Eines der extremsten Beispiele ist in Russland anzutreffen.

Neben dem extremen Wohlstandsgefälle, welches zu einer Segregation (Entmischung) und möglicherweise auch zu einer unüberwindbaren Grenze in der russischen Gesellschaft führt, behindern weitere Faktoren eine von der Gesellschaft akzeptierte  Gesellschaft mit dem Idealbild einer „Klassenlosen Gesellschaft“ (u.a. von Karl Marx und Engels propagiert):

1. Räumliche Disparitäten: Westlicher Teil ist deutlich stärker besiedelt (74%).
2. Sprachenprobleme: Russland ist ein Vielvölkerstadt, der geprägt wird von unterschiedlichen ethnischen Gruppen und verschiedenen Sprachen (Gefahr: kulturelle und gesellschaftliche Grenzen bzw. Spaltung der Gesellschaft)
3.Infrastrukturprobleme: Der Permafrostboden vor allem im Osten von Russland behindert das Transportwesen und macht Straßen und Wege häufig unzugänglich.
4.Versorgungsschwierigkeiten: Produktionsfortschritte in der Landwirtschaft bleiben aus. Folge sind großer Verderb und ohne den Import aus dem Westen von landwirtschaftlichen Erzeugnissen sicherlich auch Hungerelend.
5.Männermangel: Die Lebenserwartung der Männer sinkt zunehmend. Ein Grund dafür ist der Alkoholismus, der besonders von Männern praktiziert wird.
6.Arbeitskräftemangel: Es sind bereits 80% der Frauen in den industriellen Arbeitsprozess integriert. Eine Aufstockung ist kaum noch möglich, obwohl dringend weitere Arbeitskräfte benötigt werden, um Russlands Wohlstand zu sichern.

7.Die Armut der Rentner:

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Zu den ärmsten Schichten Russlands gehören die Rentner, die vom Wirtschaftswachstum wenig spüren – außer steigenden Preisen.

4.) Für die Gesellschaft kommt die Realität des armen reichen Russland einer Zerreißprobe gleich. Reiche gelten als Diebe, ihr Vermögen als unehrlich erworben. Mehr als 70 Prozent der Russen halten Umfragen zufolge nichts von ihren Unternehmern.
Die Sowjetunion, der Inbegriff der Gleichmacherei, ist gerade vor 15 Jahren zu Grabe getragen worden. In welcher Epoche möchten Sie leben? Die Mehrheit der Russen antwortet auf diese Frage: Unter Breschnew. Als der Generalsekretär mit den buschigen Augenbrauen an der Macht war, verdienten alle mehr oder weniger gleich viel. Man war jung, der Ölpreis hoch.

Unter Putin werden immerhin, anders als unter Amtsvorgänger Boris Jelzin, Löhne, Gehälter und Renten pünktlich ausgezahlt.
Dennoch haben mittlerweile sowohl Wladimir Putin als auch sein Nachfolger Dmitri Medwedjew ein Akzeptanzproblem, weil das Vertrauen der Bevölkerung in ihre Politik schwindet. Ministerpräsindet Putin bringt es nach einer Umfrage des Levada- Instituts auf 48% (vor einem Jahr noch 68%) Rückendeckung bei der Bevölkerung, Präsident Medwedjew nur auf 36%.

Gründe hierfür liegen sicherlich auch in den Schmelzenden Geldreserven zur Finanzierung des „System Putins“, dem Budgetdefizit, dem Rubelverfall, aber vor allem in der wachsenden sozialen Ungleichheit verbunden mit einer wachsenden Arbeitslosigkeit. Die Reaktion der Spitzenpolitiker Russlands ließ nicht lange auf sich warten. Präsident Medwedjew kündigte vor kurzem vor ranghohen Vertretern des Verteidigungsministeriums in Moskau umfangreiche Reformen im Militärsektor an: Die Modernisierung des Atomwaffenarsenals, die Aufrüstung der Armee und bessere soziale Versorgung der Soldaten ab 2011.

Putin und Medwedjew wollen damit sicherlich keinen Obama- Schmusekurs einschlagen, aber die außenpolitische Signalwirkung der angekündigten Maßnahmen ist überschaubar. Innenpoltisch könnten die Rüstungspläne eine viel wichtigere Rolle spielen, da das Thema Militär in der russischen Gesellschaft noch immer einen hohen Stellenwert hat. In der jetzigen instabilen Situation, die nicht zuletzt durch die Wirtschaftskrise hervorgerufen wurde, ist es ein effektives Mittel, die Leute „bei der Stange zu halten“.

Medwedjew gibt sich dadurch als mutig handelnder Akteur, der während der Krise voranschreitet und den Russen mit seinen Aufrüstungsplänen Selbstbewusstsein injiziert. Treten Putin und Medwedjew auch in Zukunft selbstbewusst und in Eintracht auf „könnten beide zusammen letztlich der bessere Putin“ sein.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Arm-Reich-Gefälle, das Russland der zwei Geschwindigkeiten, in der Gesellschaft eine permanente Spannung verursacht. Um die größten Härten auszugleichen, ist der Staat gezwungen, die Sozialausgaben drastisch zu erhöhen. Eine Mittelklasse wie im Westen, wo sie als Fundament für ein demokratisches Staatswesen dient, steht in Russland noch am Anfang.

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Dieses Szenario dürfte der Vergangenheit angehören. Medwedjew tritt immer mehr aus dem Schatten seines Mentors Putin, der in der Karikatur noch die Fäden in der Hand hält. Wichtig für die Behebung der gesellschaftlichen Grenzen ist, dass beide harmonisch zusammenarbeiten, um die sozialen Missstände, die zu gesellschaftlichen Grenzen führen, beheben zu können.

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Hoffentlich bleibt diese Karikatur eine lustige und provokante Übertreibung und wird nicht zum Schreckenszenario großer Teile der russischen Gesellschaft.  Es wäre ein Fehler russischer Politik nur den Blick auf den Energiemarkt zu richten und die Ernährung der eigenen Bevölkerung zu ignorieren.

Quellen:
Das „System Putin“ Metzler Aktuell im Schroedel Verlag
http://www.welt.de/wirtschaft/article718255/Breschnew_hilf.html:
„Arm und Reich in Russland“
Diverse Zeitungsartikel:
„In den Mühlen von Putins Justiz“ (Landeszeitung Schleswig Holstein vom
4.März 2009);
„Russische Realpolitik par Excellenze“ (Kieler Nachrichten vom 19.März 2009)
„Er kann auch anders“ (Die Zeit vom 5.März 2009)
http://de.wikipedia.org/wiki/Russland

Kaukasus

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Grenzregionen im Kaukasusgebiet

Gliederung:

  • Einleitung
  • Geschichte ab 1700
  • Kaukasuskonflikt 2008:
    – Hintergründe:
    – Auflösung der Sowjetunion
    – Geopolitischer Hintergrund
    – Kriegsverlauf
    – Kriegsfolgen
    – Standpunkte der Konfliktparteien

Einleitung

Es scheint, als könne Georgien nicht zur Ruhe kommen. Zwar ist die Situation in Georgien blitzschnell eskaliert, doch der Konflikt hat eine lange Geschichte. Südossetien und Abchasien wollen die Unabhängigkeit. Und mit Russland, Georgiens größter Rivale, haben die Regionen einen mächtigen Verbündeten. Die Geschichte Georgiens ist eine Geschichte des Widerstandes und der Gewalt, eine Geschichte von gewaltsamen und kriegerischen Konflikten. Obwohl Georgien kaum größer als Bayern ist, wird das Land an vielen Fronten aufgerieben.

Geschichte von 1700 – 1900 (Kaukasus)

1770 betraten die Russen erstmals das kaukasische Gebiet. Während der bereits 1783 unter persischer Oberhoheit stehende christliche Fürst Iraklis II. von Georgien russischer Vasall geworden war, fiel unter dessen Nachfolger Georg III. Georgien an Russland und wurde 1801 ein russisches Gouvernement. 1802 erwarben die Russen Ossetien, 1803 Lesghien und in den anschließenden Kämpfen mit den Persern (1804 bis 1813) verloren diese den größten Teil ihrer kaukasischen Besitzungen.

Fast das gesamte Transkaukasien war nun russisches Gebiet geworden, jedoch gab es noch einige nicht unterworfene Bergvölker wie die Gorzen gegen die erst 1816 der Kampf aufgenommen wurde. Die Russen wollten die Bergvölker isolieren, deshalb legte man zwischen dem Kaspischen Meer und dem Schwarzen Meer eine Reihe von Kosaken bevölkerte Siedlungen an, die befestigt wurden. In der Folge besetzten die Russen weitere Gebiete im Kaukasus und verwüsteten Tschetschenien.

Während der späteren Kämpfe gegen Persien (ab 1826; Frieden am 22.Februar 1828) und dem Russisch-Osmanischen Krieg (1828-1829) konnte sich Russland weitere Gebiete im Kaukasus aneignen und so seine Stellung festigen.

Erste Unabhängigkeitsbewegungen gab es ab 1835 unter Imam Schamil, welcher die Lehre des Muridismus predigte und viele Anhänger unter den Bergvölker fand. Die Russen begannen erst 1839 ernsthaft gegen die Bergvölker vorzugehen. Russland gelang es zwar Schamil und dessen Streiter mehrmals zurückzudrängen, doch war der Muridismus noch nicht niedergeschlagen. Schon nach kurzer Zeit erhoben sich Bergvölker erneut, so dass die Russen mehrere Jahre über keine dauerhaften Erfolge erreichen konnten. 1843 eroberte Schamil gar Awarien und das Land am Koi-su nebst neun russischen Forts.

Nach Beendigung des Krimkriegs zu gunsten Russlands, in dessen Verlauf (1853 bis 1856) es zu Kampfhandlungen auf dem kaukasischen Kriegsschauplatz zwischen Russland und dem Osmanischen Reich kam, versuchte Schamil gegen Wladikawkas zu marschieren um den Aufstand in den Zentralkaukasus zu bringen. Doch wurde er von General Mischtschenko zurück getrieben. Während der darauffolgenden Monate gelang es russischen Generälen den Osten des Kaukasus für sich zu gewinnen, man konnte sich nun nach Westen wenden. Die Operationen hier dauerten zwischen dem Frühjahr 1864 und 1865 und endeten mit der Unterwerfung der Tscherkessen.

Die antimuslimische Politik der folgenden Jahre führte dann dazu, dass viele muslimische Abchasier in das Osmanische Reich auswanderten. Der genaue Ablauf der Migrationsbewegungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist bis heute nicht geklärt, aber zugleich ein Streitpunkt zwischen Georgiern und Abchasiern und ihrer jeweiligen, von nationalen Interessen mitbestimmten Geschichtsschreibung. Nach der endgültigen Niederlage der nordkaukasischen Völker in Abchasien im Jahre 1865 wurden rund 400.000 abchasische Muslime ihrer Heimat verwiesen und suchten Zuflucht im Osmanischen Reich, dessen amtierender Sultan ein abchasischer Mischling war. Trotz des Willens des Sultans, den Opfern der Vertreibung zu helfen, starben bis zum Ende der Neuansiedelung der Vertriebenen etwa 200.000 Abchasen an Hunger, Krankheiten, Entkräftung und untergegangenen, oft überfüllten Flüchtlingsschiffen. In manchen Auffanglagern zählte man eine Sterberate von über 50 %, so auch in der türkischen Hafenstadt Trabzon.

Auch wenn die Russen in der Folge ihre Herrschaft befestigten, so brauchte es stets nur eines kleinen Anstoßes, um die alten Unabhängigkeitsbestrebungen der kaukasischen Völkerschaften wieder aufleben zu lassen. Einen solchen Anstoß bot der Russisch-Türkische Krieg 1877 bis 1878. Türkischen Hetzrednern war es ein leichtes, Unruhen unter den Tschetschenen, in Abchasien und in Dagestan anzuzetteln. Nur durch die Besetzung der Pässe, die aus Abchasien zu den Siedlungen der Tschetschenen führten gelang es den Russen, einen allgemeinen Aufstand der Bergvölker zu verhindern. Am 27. Juni 1877 wurden die vereinigten Türken und Abchasen bei Aschonidschir geschlagen. Die Abchasen und Tschetschenen waren damit niedergeworfen, die flüchtigen Anführer zettelten aber neue Aufstände in Dagestan an, die erst nach Zersprengung einer Bande von 6000 Mann und der Niederwerfung von 4000 Mann am 30. September und 4. Oktober unterdrückt werden konnten.

Georgien 1900 – 1991

Nach der Oktoberrevolution erklärte sich Georgien am 26. Mai 1918 unabhängig. Am 16. Februar 1921 wurde die Demokratische Republik Georgien von der Roten Armee besetzt und in die Sowjetunion eingegliedert, zunächst, von 1922-1936 als Teilgebiet der Transkaukasischen SFSR, dann, nach deren Auflösung, als Georgische SSR, die bis zum Ende der UdSSR im Jahre 1991 bestand.

Während der späten 1980er Jahre entwickelte sich eine starke georgische Unabhängigkeitsbewegung. Am 9. April 1991 erklärte sich Georgien erneut unabhängig. In Abchasien und Südossetien kam es zu Sezessionskriegen. Wegen der starken Militärpräsenz Russlands hat die georgische Regierung noch heute keine Kontrolle über weite Teile ihres Territoriums.

Abchasien 1990 – 1991

Abchasien wurde 1922 bei der Bildung der Transkaukasischen Föderativen Sowjetrepublik auf der gleichen Ebene wie der georgische Staat selbst als gleichberechtigter Bestandteil der Föderation behandelt. Abchasien und Georgien hatten im Dezember 1921 besondere Beziehungen vereinbart, einen sogenannten Kontrakt-Status, der bis 1931 galt, als Abchasien eine Autonome Republik innerhalb der Georgischen SSR wurde.

Kulturelle Rechte wurden beschnitten und Bestrebungen nach nationaler Identität als konterrevolutionär bestraft. Nach dem Verbot der abchasischen Sprache wurden die Russische und Georgische Sprachen als Amtssprache eingeführt. Den stalinistischen Säuberungen fielen auch in Georgien tausende Menschen zum Opfer.

Südossetien 1990 – 1991

Der Gebrauch der Bezeichnung „Süd-Ossetien“ hatte im 19. Jh. einen kulturell-geographischen Aspekt. Nachdem Russland die Georgische Demokratische Republik annektierte, bekam das Gebiet am 20. April 1922 einen administrativen Status. Dieses Gebiet wurde mit Territorien zusammengefasst in denen vorwiegend ethnischen Georgiern wohnten. Im Beschluss über die Bildung des Autonomiegebiets steht ausdrücklich, dass es zur Selbstbestimmung der Osseten führen soll.

In den Jahren 1918-1921 war das sogenannte Südossetien ein Bestandteil der Demokratischen Republik Georgien. In dieser kurzen Zeit des Bestehens der Demokratischen Republik Georgiens kam es zu einigen Aufständen der Südosseten gegen den georgischen Staat. Diese wurden bevorzugt unter bolschewistischer Parolen von Sowjetrussland angestiftet. Ziel war der Austritt Südossetiens aus Georgien und der Anschluss an Russland.

1920 proklamierten die Bolschewiki eine südossetische Sowjetrepublik. Der Plan einer Vereinigung „beider Ossetien“ im Einflussbereich Russlands hatte nicht funktioniert. Nach dem Einmarsch der berüchtigten 11. Armee in Georgien und der Sowjetisierung des Landes haben die Bolschewiken die ossetischen Separatisten durch ein künstlich geschaffenes Autonomiegebilde im Rahmen der Georgischen Sowjetrepublik honoriert, mit dem administrativen Sitz in Zchinwali. Am 20. April 1922 wurde es als der Südossetische Autonome Oblast ein Bezirk der Transkaukasischen SFSR, der ab 1936 der Georgischen SSR in der Sowjetunion engegliedert wurde.

Kaukasus Konflikt 2008

Hintergründe/Ursachen

Auflösung der Sowietunion

Die Ursachen für den letztjährigen Konflikt im Kaukasus sind stark mit der Geschichte dieses Gebietes verankert, wie die “Geschichte ab 1700” gezeigt hat. Die Ethnien im Kaukasus unterscheiden sich stark sozial-kulturell und sozial-strukturell. Während einige Volksgruppen früh Staaten bildeten, verfügten andere nie über eine eigene Staatlichkeit. Jedoch liegen die wohl am schwersten wiegenden Gründe in der post-sowietischen Zeitgeschichte.

Schon vor dem Zerfall der Sowjetunion hatte sich Südossetien 1990 von Georgien losgesagt, nachdem es bereits 1989 eine Erweiterung seines Autonomiestatus’ zur Autonomen Republik angestrebt hatte. Noch vor der Erklärung der Unabhängigkeit Georgiens von der Sowjetunion, rief man im Herbst 1991 die Südossetische Demokratische Sowjetrepublik aus und bemühte sich um russische Anerkennung. Im darauf folgenden Bürgerkrieg kamen geschätzte 1500 Menschen ums Leben. 100.000 Südosseten flohen aus Georgien und Südossetien nach Russland, 20.000 Georgier flohen nach Georgien. In diese Auseinandersetzungen griff Russland ein, um die Kontrahenten zu trennen. Im Juni 1992 unterzeichneten Russland und Georgien ein Waffenstillstandsabkommen zur Aufstellung einer GUS-Friedenstruppe für Südossetien, für die russische, ossetische und georgische Militärs abgestellt wurden. Russland und Georgien zogen darauf ihre regulären Truppen aus Südossetien zurück.

Der georgische Präsident Micheil Saakaschwili legte im September 2004 vor der UN-Generalversammlung einen Plan vor, der unter anderem Südossetien und Abchasien wieder in Georgien eingliedern sollte. Beide abtrünnigen Gebiete lehnten den Plan ab. Nach der Errichtung eines Kontrollpunktes an der Transkaukasischen Fernstraße durch Georgien verschlechterten sich die Beziehungen deutlich. Wiederholt kam es zu Schusswechseln zwischen georgischen und südossetischen Einheiten. Ein in Moskau unterzeichnetes Waffenstillstandsabkommen vom Juli 2004 konnte die Region nicht dauerhaft befrieden.

Am 20. September 2005 beschoss die geogische Armee Zchinwali mit Mörsern. Der ehemalige Verteidigungsminister Georgiens, Irakli Okruaschwili, erklärte gegenüber Reuters, Georgien habe bereits in diesem Jahr eine Militäroperation zur Rückeroberung Südossetiens und Abchasiens geplant. Ende 2006 führten beide Seiten konkurrierende Volksabstimmungen und Präsidentschaftswahlen durch, an denen die Gegenseite nicht teilnehmen konnte. Während die Osseten nahezu einheitlich für eine Unabhängigkeit stimmten, sprachen sich die südossetischen Georgier genauso geschlossen für eine Wiedervereinigung aus. Der Europarat nannte das südossetische Referendum „unfair, unnecessary and unhelpful“, während das russische Außenministerium erklärte: „Ob man es mag oder nicht, wir haben es hier mit der freien Meinungsäußerung des Volkes von Südossetien zu tun, die durch demokratische Prozeduren zustande kam.“